Comtessa

 

Archiebald

Wesen angeboren oder erworben?

 

Welpen sind vierbeinige Wundertüten - holen Sie das Beste heraus! Es liegt voll und ganz in unserer Hand, ob sich ein Welpe zu einem angenehmen Freizeitpartner entwickelt. Im Welpenalter wird der Grundstein für die zukünftige Entwicklung des Hundes gelegt. Wir können mit einer liebevollen konsequenten Erziehung und einer sorgfältigen Sozialisation dazu beitragen, dass unser Vierbeiner ein angenehmes Mitglied unserer Gesellschaft wird.

 

Es steht außer Frage, dass Welpen aus einem Wurf ganz unterschiedliche Veranlagungen mit sich bringen können. Es gibt Draufgänger, Muskelprotze, kleine Diplomaten und eher zurückhaltende Charaktere. Oft zeichnet sich bereits im Welpenalter ab, ob ein Hund eher dominant oder aber introvertiert veranlagt ist. Wie sich sein Charakter tatsächlich entwickelt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Die Aufzucht der Welpen, das Lebensumfeld, der Kontakt zum Züchter und natürlich die Beziehung zum neuen Besitzer, nehmen großen Einfluss auf die Entwicklung des Hunden. Nicht zuletzt entscheiden Sozialisation und Erziehung darüber, ob ein Hund zu einem anpassungsfähigen Familienmitglied wird oder nicht.

Erfahrung macht klug. Auch die Intelligenz des Hundes ist nicht nur von seiner Veranlagung abhängig. Je mehr ein Hundewelpe in seiner Entwicklungszeit erlebt, desto ausgeprägter wird seine Gehirnleistung: er wird intelligenter und hat eine höhere soziale Kompetenz. Man kann Intelligenz bei Hunden regelrecht "herstellen". Und man tut's auch: Der Züchter tut's - so oder so - in den ersten sensibelsten 8 Wochen des Hirnaufbaus beim Welpen. Der Halter tut's - so oder so - in den zweiten acht Wochen. Kluger Hund - dummer Hund, das bestimmen nicht ausschließlich die Gene. Das bestimmt die Umwelt mit: Ein Hund, der sich in den ersten 4 Monaten seines Lebens frei und ohne Angst bewegen durfte und lernen konnte - das wird ein kluger Hund - eine wirkliche "Intelligenzbestie".

 

Gute Hunde entstehen nach ihrer Geburt, nicht vorher. Das genetische Potential der angeborenen Wesensmerkmale setzen Wissenschaftler nur zwischen 10 und 30 Prozent an. Die restlichen 70 bis 90 Prozent kann der Mensch beeinflussen - sowohl positiv als auch negativ. Es liegt also in unserer Verantwortung, welche Wesensmerkmale der Hund später zeigen wird. Die Förderung während der ersten Wochen beim Züchter und auch beim neuen Besitzer ist entscheidend für die Entwicklung des Hundes. Das, was wir Wesensveranlagung nennen, bildet sich endgültig zwischen dem 21. bis zum 112. Tag. Nützen wir diese kurze Zeit aus! Unser Hund wird sonst nie das sein, was er hätte werden können. Daran ändert auch die beste Erbanlage nichts. Auch ein Hund mit besten Anlagen kann später erhebliche Wesensmängel zeigen, wenn er in den ersten Wochen nicht genügend Erfahrungen sammeln konnte. Schwierige, wesensschwache, unsichere, ängstliche Hunde werden nicht geboren, sondern gemacht! Was wir in der heutigen Zeit brauchen, sind kluge, selbstsichere, wesensstarke Hunde - aber keine aggressiven, ängstlich-nervösen Tiere.

 

Und weil die Sozialisierungsphase so kurz ist, ist Welpenerziehung vor allem ein Wettlauf mit der Zeit. Bis etwa zur 20. Lebenswoche durchlebt der Welpe eine Reihe von Entwicklungsphasen, in welchen sein späteres Verhalten ein für allemal geprägt wird. So sorgt die Natur dafür, dass der Welpe schnellstmöglich die individuellen Rudelregeln und Gefahren seiner persönlichen Umwelt tief verinnerlicht. Diese Prägung kann in der Regel nur in einem sehr kurzen, als sensible oder kritische Phase bezeichneten Zeitabschnitt stattfinden. Danach schließt sich das Zeitfenster wieder. Verstreicht dieser Zeitraum ungenutzt, ist die Prägungsbereitschaft des Hundes vorüber. Umgekehrt ist bei erfolgter Prägung ein Umlernen nur sehr schwer möglich. Fehlen dem Welpen in dieser Zeit soziale Kontakte und Umwelterfahrungen, ist er später kaum dazu fähig, normale soziale Beziehungen und Umweltsicherheit zu entwickeln. Kein Hund kommt auf die Welt und nimmt sich vor: "So, ich werd' jetzt ein Problemhund!" Bereits in den ersten Wochen entscheidet sich, ob Sie in Zukunft einen "Problemhund" Ihr eigen nennen, oder aber "den besten Hund der Welt"! Zwischen der 7. und 9. Woche tritt der der neue Halter in das Leben des Welpen. Der Tag, an dem ein Welpe von seinen Wurfgeschwistern und von seiner Mutter getrennt wird, bedeutet für das Hundebaby einen regelrechten Schock. Alles, was ihm vertraut war, ist von einem Moment auf den anderen verschwunden; alles ist neu und ungewohnt. Nun kommen sehr ereignisreiche Tage für den Welpen und auch für den neuen Besitzer. Sie als neue Bezugsperson des Welpen tragen eine große moralische Verantwortung, denn das Bindungsbedürfnis des vereinzelten Welpen an "seinen" Menschen ist soo groß, dass er sich diesem selbst bei schlechtester Erfahrung kaum entziehen kann. Das ist es, was einen Hund im abwertenden Sinne "hündisch" macht. Er ist immer auch ein Spiegelbild seiner Umwelt: "Zeige mir Deinen Hund und ich sage Dir, wer Du bist!"

 

Hunde lieben Kinder, wenn Kinder lieb sind zu Hunden!

Kinderfreundlichkeit ist keine genetisch festgelegte Rasseeigenschaft, die man züchten kann. Zu einem kinderfreundlichem Hund braucht man erstmal hundefreundliche Kinder, denn dann kann der Welpe positive Erfahrungen machen.


Außerdem: Was ist kinderfreundlich?
-ein Hund, der sich gottergeben an Ohren und Rute ziehen lässt?
-ein Hund, der den Lärmpegel eines außer Rand und Band geratenen Kindergeburtstags erträgt?

Der stoisch wirkende Bulldog ist Kindern gegenüber im allgemeinen sehr geduldig und tolerant. Wenn die Kinder ihn zu sehr nerven, geht er einfach weg. Der Hund steht eben über den Dingen. Wobei man es mit dem Vertrauen in die Kinderliebe aber auch nicht übertreiben sollte. Für einen Hund sind Kinder erstmal sehr unberechenbare Zweibeiner, die sich sehr merkwürdig bewegen und undefinierbare Geräusche von sich geben. Hunde müssen deshalb erst einmal lernen, mit Kindern umzugehen!

Grade bei Kleinkindern müssen Eltern permanent jeden vor dem jeweils anderen schützen. Kleinkinder greifen sehr ungeschickt ins Fell, wollen dem Hund irgendetwas ins Maul stecken, ziehen an seinen Ohren usw. Vermitteln Sie den Kindern Achtung und Respekt vor dem Tier. Ein Welpe ist weder Spielzeug noch Knuddelteddy. Er wehrt sich, wenn er falsch behandelt wird und vergisst das auch nicht so schnell. Loben Sie den Hund deshalb jedes mal, wenn er sich zurückzieht und verhindern Sie, dass das Kind ihm überallhin folgt. Hund und Kind brauchen jeder einen Rückzugsbereich, der für den jeweils anderen tabu ist.

Vor allem die Kinder müssen unbedingt lernen, richtig mit ihrem vierbeinigen Gefährten umzugehen. Sie brauchen feste Regeln. Wenn man permanent auf beide aufpasst, lernt das Kind, was es darf und was nicht und der Hund lernt, dass er das nicht selbst regeln muss.

 

Lassen Sie nie, wirklich niemals Kinder unbeaufsichtigt mit einem Hund allein, auch wenn Sie es für gefahrlos halten! Auch der liebste Hund ist nur ein Tier, in das wir nicht hineinschauen können und Kinder kommen auf die ungewöhnlichsten Ideen... Besonders, wenn die eigenen Kinder Besuch von ihren Freunden haben, sollten Sie ein Auge auf die Kinder haben. Nicht jedes Kind weiß einen Hund zu respektieren. Schaffen Sie einen Bereich für den Hund, wo er sicher verwahrt werden kann, wenn Kinder im Haus sind. So hat der Hund seine Ruhe und die Kinder kommen nicht in Gefahr.

Ziehen Sie Ihre Kinder in die Pflege des Hundes mit ein und geben Sie ihnen kleine Aufgaben wie füttern und bürsten mit einer weichen Bürste. Beute- und Zerrspiele sind für Kinder evtl. nicht geeignet, aber Suchspiele oder kleine Kunststückchen können beiden Seiten viel Freude machen. Auch Kinder können schon kleine Unterordnungsübungen mit ihrem vierbeinigen Gefährten üben und ihn mit Leckerchen belohnen. Der Hund sollte unbedingt lernen, dass es sich eher lohnt, auf "Sitz" oder "Platz" zu hören, als das Kind anzuspringen.

 

Ausführen dürfen Kinder einen großen Hund wie den OEB auf keinen Fall. Denn der Hund muss dem Kind nicht nur gehorchen, es muss ihn auch per Leine halten können, und zwar in jeder Situation. Auch 15-jährige können damit noch überfordert sein. Mag der eigene Hund auch noch so gutmütig sein, der andere Hund, dem er auf dem Spaziergang begegnet ist es vielleicht nicht - und was dann? Das Kind steht mittendrin, versucht vielleicht, seinen Hund zu retten - ich mag mir gar nicht ausmalen, was da passieren kann.

Schön wäre es, wenn Sie sich für die Eingewöhnungsphase Ihres neuen Familienmitglieds Urlaub nehmen könnten, damit er sich an seine neue Familie und die neue Umgebung bestmöglich gewöhnen kann. Die veränderte Lebenssituation führt beim Welpen zu einer tiefen Verunsicherung und die wichtigste Aufgabe des neuen Besitzers ist, ihm wieder Vertrauen zu vermitteln und eine gute Bindung aufzubauen. Der Zwerg braucht Wärme, Liebe und Geborgenheit, um sich zu einem nervenstarken und selbstbewussten Vierbeiner zu entwickeln. Und er braucht Ihre Zeit. Viel Zeit. Zeit, in dem sie sich aktiv mit ihm beschäftigen. Tag für Tag.

 

In der ersten Woche in seinem neuen Zuhause lassen Sie Ihren Wonneproppen sich erst einmal in Ruhe eingewöhnen. Ein kurzer Ausflug in den Garten (falls vorhanden) reicht völlig aus. Jeder kleinste Spaziergang ist ein wahres Feuerwerk vielfältiger Reize, die ein junger Hund erst einmal verarbeiten muss. Machen Sie in der ersten Zeit keine ausgedehnten Spaziergänge mit ihrem Junghund. 15 bis 20 Minuten mehrmals täglich sind genug! Die meisten Welpen weigern sich noch, das ihnen bekannte Terrain zu verlassen - das ist völlig normal. Kein Wolfswelpe würde in dem Alter seine sichere Höhle so weit verlassen - und Ihr Welpe soll das auch noch mit Ersatzeltern tun, die er ja noch gar nicht richtig kennt. Nehmen Sie den Welpen dann auf den Arm und tragen Sie ihn das erste Stück. Dann wird der Welpe ihnen folgen, so lange er körperlich kann, das gibt ihm sein Instinkt vor. Setzt er sich hin, ist er eigentlich schon überfordert und hundemüde! Verweilen Sie an interessanten Stellen etwas, setzen Sie sich evtl. auf den Boden und bieten Sie ihrem Zwerg Körperkontakt und Sicherheit. Zeigen Sie Souveränität, bleiben Sie locker, gelassen und vermitteln Sie dem Welpen, dass die Welt spannend und toll ist. Geben Sie ihm Zeit, alle Objekte zu beobachten, die sein Interesse erregen. 'Gefährliche Dinge' wie Regenschirme, im Wind flatternde Tüten oder einen finsteren, engen Gang erkunden Sie mit ihm gemeinsam. Das gibt Selbstbewusstsein und gegenseitiges Vertrauen. Übertreiben Sie dabei aber nicht und zwingen Sie ihn zu nichts. Er soll es möglichst durch seine eigene Neugier schaffen, die nähere Umgebung dort selbst erkunden. Reden Sie freundlich mit ihm. Alles kein Problem. Steigern Sie die Belastungen für Ihr Hundekind nur ganz, ganz langsam. Haben Sie Geduld. Auch wenn es einige Wochen dauert, bis der Welpe gern nach Draußen möchte - das kommt noch früh genug.