Welpenschutz?

   

Ebby

 

Bud aka Eddy

 

Im Umgang mit Artgenossen gibt es unter Hunden keine generelle Tötungshemmung. Welpenschutz und Aggressionshemmung existieren ausschließlich innerhalb des eigenen Rudels. Der Welpenschutz besteht einzig und allein in dem Unterwerfungs-/Beschwichtigungsverhalten, das der Welpe dem erwachsenen Hund gegenüber zeigt. Tiere versuchen nicht, sich zum Wohle der eigenen Art zu verhalten, sondern möglichst viele eigene Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Dies kann aber nur durch eine möglichst hohe Zahl von eigenen Nachkommen oder solchen in naher Verwandschaft geschehen. Fremde sind nicht geschützt! Das ist allerdings keinesfalls ein "Freibrief" für Aggressionen. Eine gewisse Aggessivität ist notwendig und sinnvoll, aber es gibt eine feine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Jeder Hundebesitzer ist selbst dafür verantwortlich, seinen Hund zum Frieden zu erziehen und schwerwiegende Auseinandersetzungen zu verhindern. Sie sollten jedoch unbedingt die Mär vom Welpenschutz vergessen (der viele Hundekinder böse Erfahrungen verdanken) und auch den Grundsatz "Leinen los, das machen die unter sich aus" ist ein todsicherer Weg, sich einen Problemhund heranzuziehen. Auch Hundeeltern lassen ihre Welpen nicht einfach "machen". Unterdrückt ein Welpe die anderen ständig, wird er von den Hundeeltern körper- und lautsprachlich konsequent korrigiert. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn man mit seinem Welpen einer Hündin begegnet. Instiktsichere Hündinnen akzeptieren oft nur den eigenen Nachwuchs und beißen fremde Welpen weg. Dagegen reagieren Rüden meist recht gutmütig auf einen Welpen. Ein Welpe sollte den erwachsenen Hund in demütiger Haltung begrüßen: Spielaufforderungen machen, Pfote heben oder die Schnauze des erwachsenen Hundes lecken. Wenn ein Welpe sich falsch benimmt, sind aber auch Rüden nicht zimperlich. Dann kann es sein, dass er den Welpen umrempelt, drübersteht, Schnauzgriff oder Nackenbiss anwendet um den Frechdachs zu disziplinieren. Und verhält sich ein Welpe allzu aufdringlich, zeigen erwachsene Hunde ihm durch knurren oder fletschen, dass er sich zurückhalten soll.


Seien Sie immer vorsichtig, denn man weiß nie, was in den Köpfen anderer Hunde gerade vorgeht.

Hunde haben keine Hände. Sie erledigen sehr viel mit ihren Zähnen, was wir mit den Händen tun. Sie helfen sich, indem sie ihr Maul äußerst vielseitig benutzen. Dieses zahnbestückte Schnäuzchen kann ganz zart greifen und vorsichtig festhalten ohne zu verletzen.

Welpen beißen in aller Unschuld und bohren Ihre nadelspitzen Zähnchen dabei mit Vorliebe in die Hände und Arme ihrer geliebten Zweibeiner. Und jeder, der schon einmal mit so einer kleinen Beißmaschine gespielt hat, weiß, wie einseitig das Vergnügen mitunter sein kann. Kommentare wie "Hör mal, das fand Frauchen aber gar nicht gut!" nützen überhaupt nichts, wenn der Tolpatsch im Überschwang in Ihre Kleidung oder Arme beißt. Zwicken ist nicht erlaubt. Punkt. Auch nicht ein bisschen. Reagieren Sie sofort, zeigen Sie ihm, dass Sie sauer sind. Der Hund braucht klare Regeln - von Anfang an. Dieses ungebührliche Verhalten kann zu einer echten Gefahr werden, vor allem, wenn Kleinkinder zur Familie gehören. Bringen Sie Ihrem vierbeinigen Liebling unbedingt gute Manieren bei, denn mit dem Hund werden auch die Zähne größer! Wenn der kleine Wicht im Spiel zu grob wird und zu fest zupackt, rufen Sie laut und scharf "Aua", brechen das grobe Spiel abrupt ab und entfernen sich. Schluss mit lustig. In menschliche Körperteile beißen ist nicht in Ordnung. Greifen Sie notfalls durch: klar, kurz, deutlich.

 

Nur so lernt der Rüpel, dass unsere Haut empfindlicher ist als das Fell seiner Geschwister und setzt seine Beißerchen bei Menschen vorsichtiger ein. Spielen Sie nicht den Indianer, der keinen Schmerz zeigt, denn sonst lernt Ihr Hund genau das falsche. Je unbefangener Sie Ihre Hand z.B. in der Schnauze des Welpen lassen und je ehrlicher Sie ihm gegenüber sind, um so vorsichtiger wird der Welpe mit Ihnen umgehen. Es darf keinesfalls so weit kommen, dass Sie oder Ihre Kinder Respekt/Angst vor dem Zwerg bekommen. Denn auch das merkt er schnell und wird es ausnützen.

Wenn Ihr Welpe vor lauter Aufregung beginnt, an Ihnen hochzuspringen oder nach Ihrer Kleidung zu schnappen, schubsen Sie ihn weg, wenden Sie sich sofort (!) von ihm ab und ignorieren ihn. Gespielt wird nur, wenn er sich anständig benimmt. Sobald er ablässt, können Sie versuchen, sein Verhalten umzulenken. Dazu sollten Sie immer einen Lappen oder ein anderes Beißspielzeug bei sich haben in das er dann beißen darf. Mit der Zeit lernt ihr Piranha: (Hosen-)Beine "nein", Lappen oder anderes Spielzeug "ja". Zeigen Sie ihm, wie man's richtig macht und freuen Sie sich mit ihm, wenn er seine spitzen Zähnchen in einem Kauspielzeug versenkt.


Wenn ihr Piranha es gar zu arg treibt, können Sie ihm auch eine kurze Auszeit verordnen. Nehmen Sie ihn einfach hoch, tragen Sie ihn in ein anderes Zimmer und machen Sie die Tür zu. Sie können ihn auch kurz in einen Zimmerkennel oder einen Kinderlaufstall setzen. 30 Sekunden sind absolut ausreichend. Sobald ihr Welpe sich beruhigt hat, öffenen Sie die Tür wieder und halten ihm ein Beißspielzeug hin. Bevorzugt er es trotzdem, wieder seinen Menschen zu beißen, wiederholen Sie die kurze Auszeit. Immer wieder. So lange, bis ihre Beißmaschine das Spielzeug annimmt.
Sinnvoll kann auch eine Futterübung sein. Dazu schneiden Sie Käse in gut abbeißbare längere Streifen. Den nehmen Sie dann in die Hand, indem sie den Käse nur ein bisschen herausschauen lassen. Der Welpe muss lernen, vorsichtig daran zu knabbern, ohne in die Finger zu beißen.

Zum Problem kann das spielerische Schnappen des Welpen werden, wenn kleine Kinder im Haushalt leben. Kinder können dem Hund nichts entgegensetzen und entwickeln schnell eine Riesenangst vor dem bisschen Hund. Wenn die Eltern dann nicht sofort regulierend eingreifen, haben sie bald ein richtiges Problem. Versuchen Sie, ein unkontrolliertes und unbeobachtetes Zusammentreffen von Hund und Kind auf jeden Fall zu vermeiden, so dass Sie sofort mit "nein" eingreifen können, wenn das wildgewordene Hundekind Aktionen wie Anspringen oder Schnappen startet. Machen Sie dem neuen beißenden Familienmitglied klar, dass Sie als Chef der Familie solche Aktionen nicht dulden. Lassen Sie den Kontakt zwischen Hund und Kind nur unter Aufsicht zu, denn Kinder reagieren in vielen Situationen leider völlig falsch und verstärken das Verhalten evtl. noch. Lassen Sie kleine Kinder keine Zerrspiele mit dem Hund machen.

Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn die Kinder vor dem Hund weglaufen. Für den Hund ist das eine Aufforderung zum Jagdspiel, die er gerne annimmt und wenn er die Kinder dann vor Übermut anspringt und vielleicht umwirft, ist das Geschrei groß. Führen Sie den Kindern selbst einmal vor, wie der Junghund auf ihr Wegrennen, Schreien und Springen reagiert und wie es ist, wenn Sie ruhig stehen bleiben und den Hund nicht anschauen. Denn dann wird der Hund wieder ganz ruhig. Wenn Gastkinder bei Ihnen sind, können Sie vielleicht sogar ein kleines Spiel daraus machen, indem die Gastkinder das selbst versuchen. Bald werden sich die Kinder sicherer fühlen, weil sie merken, dass sie mit ihrem Verhalten selbst Einfluss auf den Hund haben.

 

Angst?

Im Alter von 14 Wochen machen viele Welpen eine erste Angstphase durch. Bei der Erkundung der Welt ist die Fähigkeit Angst zu empfinden außerordentlich wichtig. Das Vermögen Angst zu emfpinden lässt den Hund an Unbekanntes mit der nötigen Vorsicht herangehen. Fehlendes Angstvermögen macht tollkühn und Helden sterben früh. Keine Angst empfinden zu können, ist tödlich. Angst ist der Gegenspieler einer ungehmmten Neugier.
Ängstlich veranlagte Welpen reagieren vielleicht verstört, wenn sie mit einem unbekannten Reiz konfrontiert werden. Diese Verhaltensweise kann sich zu einem Problem entwickeln, wenn man ihr nicht rechtzeitig entgegenwirkt. Gerade weniger selbstbewusste Hunde müssen lernen, in jeder Situation die Nerven zu bewahren, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sie sich später zu Angstbeißern entwickeln. Man sollte versuchen, dem kleinen Angsthasen Vertrauen zu vermitteln. Leben Sie ihm entspannte Gelassenheit vor. Alles kein Grund zur Aufregung. Es ist sinnvoll, ihn schrittweise mit angsteinflößenden Dingen zu konfrontieren. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen gelingt es sicherlich, die Reizschwelle des Hundes nach und nach zu erhöhen. Er wächst an seinem Erfolg. Und denken Sie dabei auch an die Stimmungsübertragung. Die Prägung geht so weit, dass in den ersten Tagen Ängste oder Souveränität vom Menschen kopiert werden. Sind Sie selbst unsicher, wird auch Ihr Welpe ein unsicherer Hund werden. Selbstbewusstsein muss zuerst vom prägenden Halter ausgehen, der diese Souveränität dann an den Hund weitergibt. Für den Hund ist der Mensch das Maß aller Dinge!


In diesen ersten Lebenswochen saugt das Hundekind alle neuen Eindrücke auf wie ein Schwamm das Wasser. Sie sind das Fundament für das ganze Hundeleben, auf das alles Weitere aufgebaut wird. Die Tendenz des Hundes, auf spätere Ereignisse in seinem Leben eher aggressiv oder ängstlich, aktiv oder passiv zu reagieren, wird in dieser Zeit festgelegt. Die Versäumnisse sind nicht wieder gutzumachen.

 

Bevor Sie sich nun mit Ihrem Hundekind zu einem neuen Abenteuer aufmachen, statten Sie sich mit Leckerchen aus. Und dann lassen Sie Ihrem Welpen so viel Zeit wie er braucht, um die neue Situation als ungefährlich und uninteressant einzustufen. Alles völlig normal. Bedenken Sie, dass viele Dinge, die für uns völlig selbstverständlich sind, für den Welpen ein großes Abenteuer bedeuten. Dabei müssen Sie dafür sorgen, dass der Junghund die Problemlösungen in eigener Geschwindigkeit erarbeiten kann. Zwingen Sie den Hund nicht, drängen Sie ihn nicht. Lassen Sie den Kontakt zu, wenn er ihn sucht. Beobachten Sie ihn dabei genau. Zeigt der Welpe auch nur die geringste Unsicherheit (seine Rute wird Zentimeter um Zentimeter abgesenkt), müssen Sie den Sicherheitsabstand zu dem "Monster" vergrößern. Seien Sie das nächste Mal vorsichtiger. Hat Ihr tapferer Welpe dann den inneren Schweinehund überwunden, all seinen Mut zusammengenommen und sich näher herangewagt, loben Sie ihn ausgiebig und geben Sie ihm evtl. ein Leckerchen. Reicht der Mut des Welpen nicht aus, gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nähern Sie sich dem "Ungeheuer" - natürlich ohne Hund. Zeigen Sie so, dass es ungefährlich ist. Evtl. können auch einige 5-Sterne-Leckerchen auf dem Ungeheuer helfen, das Schreckgespenst als ungefährlich zu entlarven. Machen Sie Ihr Hundekind aber nur ganz beiläufig auf die Leckereien aufmerksam. Lassen Sie Ihren Welpen die Welt möglichst selbst entdecken, ohne ihm ständig oder zu früh Hilfestellung zu geben und seine "Probleme" zu lösen. Der Welpe muss lernen, dass die Welt nicht gleich untergeht, nur weil etwas nicht auf Anhieb klappt. Er muss lernen, durch eigene Aktivität Schwierigkeiten zu meistern und intelligent auf Herausforderungen zu reagieren. Belastungen verlieren dadurch auch in Zukunft ihren Schrecken. Nur wenn der Hund das Problem wirklich nicht allein in der von uns gewünschten Richtung lösen kann, sollten Sie ihm die notwendigen Hilfestellungen geben. Und beenden Sie die Übungen unbedingt, bevor der Welpe "die Schnauze voll" hat. Er muss die Situation als Erfolgserlebnis in Erinnerung behalten, damit er auch innerlich "wachsen" kann und Vertrauen entwickelt.