Fenja & Amon
Funny

 

Vermenschlicher-Snackfetischisten und Dog Dancer

 

Die Vermenschlicher. Sie können nicht einmal richtig Loben. Sie fordern dabei gleich zum Spiel auf (Verknuddeln). Sie machen ihren Hund ständig zum Rudelführer. Wundern sich dann, wenn der Hund tut, was er will. Sie nennen ihn dann "verhaltensauffällig" und reden von "vererbter Dominanz?!" Der Hund will aber gar nicht. Er will eine Ordnung. Dann ist er zufrieden. Nur eingeordnete Hunde sind (selbst)sichere.

 

Hat sich schon mal jemand gefragt, woher die Situation und Denkweise solcher Ersatzspiele für Hunde wie Clicker kommt: ein technisierter Fingerschnipp, mehr nicht, aber wichtig für Halter, die mit dem Hund nicht mehr körpersprachlich umgehen können, die in ihrer eigenen natürlichen Kommunikationstechnik hinter den Stand von Neanderthalern gefallen sind. Es sind ausschliesslich Bewohner in Industrienationen, und da die Städter, die sich hier Krücken bauen. Was machen die Leute denn, wenn sie den Luxus-Knackfrosch auf dem Toilettentisch vergessen haben?

 

Ausserdem ist gerade Clicker nichts anderes als ein Abrichten, Dressieren auf eine mitunter menschliche Gehorsamsübung: Mach mal den Kasper für mich!. Das sind alles gewaltfreie Mittel. Aber sie beschäftigen sich nicht ernsthaft mit dem natürlichen Verhalten von Hunden. Es geht billiger: Schnalzen mit der Zunge oder Fingerschnippen. Ist aber leider keine Weltneuheit.

 

Woher kommt die Spitze der geradezu lächerlichen Dekadenz in Form von Dog Dancing? Hier hat die Unnatürlichkeit zum Hund eine pathologische Schmerzgrenze erreicht: Mir bleibt nur Zynismus: Pet-Top und verkindlichte High Heels als Ausrüstungsvorschrift ist doch wohl das Mindeste! Wie die amerikanischen Zicken, die ihre eigenen Kinder als Mode-Modell-Puppen blossstellen. Oder hat frau den ebenfalls vermenschlichten Film „Der mit dem Wolf tanzt" so stark verinnerlicht, bloss um Kevin Costner zu Hause auf dem Sofa mit Snacks nahe zu sein? Im Übrigen floppte der Film in den USA.

 

Der neueste Trend wird von einem Hundeschullehrer verkauft: Mobbing. Verkauft sich in Seminaren gut, wer nicht nachdenkt. Mobbing unter Tieren ist einfach Futterabbetteln oder Rangstreitigkeit. Basta. Kommen solche Erfindungen etwa von Arbeitshundlern wie Schäfern oder Polizeihundeausbildern? Nein, sie wurden erdacht von Geschäftstüchtigen, die den hunde-entfremdeten Hundebesitzern alles buchstäblich Menschenmögliche verkaufen - und sich zahlen lassen. Das ist der einzige Grund für solche Erfindungen.

Wie wäre es mal mit natürlicher Hundeausbildung? Zu schwierig? Da müsste man ja aus sich herausgehen, sich so bewegen und artikulieren, dass es der Hunde einfach besser und zweifellos versteht! (Ich war auch so eine Statue, habe es selber mühsam gelernt, mich hundeverständlich zu benehmen.) Der Hund setzt schneller um, was schliesslich wir von ihm wollen - und nicht umgekehrt.

Dominanz - igitt!

 

Die oben genannte Rettungshundlerin mailte mir entsetzt: „Ich bin schon wieder verwirrt durch die Arten der Hundeausbildung. Gestern traf ich eine frühere Bekannte, die bildet ihren 4 Monate alten australischen Shepherd zum Servicedog aus. Sie meint natürlich, dass ich alles falsch mache mit meinen Leuten, bei Fuss und so. Ich mache es eigentlich so, wie Du es schreibst und habe es ja auch so gelernt. Sie selbst ist aber sehr frustriert mit der Ausbildung und hat jetzt vor lauter Frust eine Wiese gepachtet und macht dort erstmal Welpenspiele, damit ihr Hund einen Ausgleich hat.

 

Sie fangen so an, dass der Welpe zu Hause mit einer Leine, die man sich zu Hause immer um den Bauch wickelt und der Hund hängt dran, das nennt sich Nabelschnur. Hört sich ja niedlich an, aber Nabelschnur ist für mich was biologisches und durch eine Leine nicht ersetzbar. Ich mag mich ja täuschen, aber mir ist es wichtig, dass ich eine innere Beziehung zu meinem Hund aufbauen und er zu mir, und das geht meines Erachtens in erster Linie über vernünftige Rudelführung. Jetzt ist ihr Hund also 4 Monate, nun will sie nicht mehr, dass er sie immer verfolgt, sie nennen es Vereinnahmen, also kommt er zu Hause in eine Transportbox, wenn er versucht, sie zu irgendwas aufzufordern. Diese Box hat auch irgendeinen bestimmten Namen, den ich wohl verdrängt habe.

Ich habe ihr gesagt, dass man das wohl auch anders regeln kann und mein Hund mich nicht nervt und ich ihm genauso sagen kann, dass er irgendwo bleiben soll, wenn ich nicht will, dass er mich verfolgt. Na ja, und bei Fuss üben die ganz komisch: Sie laufen immer Zickzack (verstehe ich ja noch: Richtungswechsel). Wenn er dann vernünftig geht, wird ein Futtersäckchen geworfen, das muss der Hund dann holen, dann wird ein Leckerchen auf den Futtersack gelegt, und der Hund darf es von dem Säckchen nehmen???? Ich finde, man belobt dann höchstens das Apportieren und nicht das bei Fuss gehen, warum soll der Hund denn für gutes Gehen noch zusätzlich apportieren?

Intelligenztest für Hundemenschen

 

Sie redet bei jedem Hund nur von Dominanz, Dominanz, Dominanz. Ich habe sie auch gefragt, was sie denn tut, wenn mal ein erwachsener schwieriger Hund auftaucht zum Unterricht? Ja dann kommt die zweite Leine und die zweite Person dazu, weil man sich ja schützen muss, da die Hunde ja sonst gefährlich werden können, wenn keine zweite Person im Spiel ist. Sie hat dann auch zu meiner neuen Welpenhündin gesagt: Nabelschnur dran! Ich habe es aber gleich korrigiert und zurückgefragt: Erst anketten und dann in die Box? Ich glaube, die glauben alle, dass Hunde blöde sind."

Die Rettungshundlerin hat dafür selber ein gutes Beispiel. Einen Kangal hatte der Besitzer gerade eine Woche aus dem Tierheim, da führte er ihn schon zum Wesenstest. Ein weiterer Kangalmix machte nach kurzer Zeit des Exerzierens nicht mehr mit. Er verweigerte. Typisch für Herdenschutzhunde: Was ihnen nicht einleuchtet, wird ignoriert. Kluger Hund. Der Ausbilder, der ja alle Hundetypen prüfen und daher kennen soll, ging diesem und anderen Herdenschutzhunden mit einem Hetzarm voraus!

Etwas derart wesensfremd Provozierendes ist nur bei einschlägigen Testern möglich, nicht bei Kennern der Rasse. Einige Besitzer bei diesem Test wussten nicht mal, dass ihre Hunde Herdenschutzhunde sind. Vermutlich glaubten sie der verbreiteten Mär, dass dies halt Hirten- oder Schäferhunde wie die anderen auch sind. Aber das Hetzärmel-Beisstrainieren, das muss gelernt werden. Bei welchen Ausbildern wohl? Auch noch einen Herdenschutzhund!

 

Ein ganz eindeutig derart abgerichteter Kangal (den anderen, nicht darauf dressierten war das beisswurst) machte schliesslich das, was der Wesenstester erfahren wollte. Bei Diensthunden kommt ja so was nie vor...

Wieder ein Beispiel dafür, dass der Mensch der zu Beurteilende ist und nie sein Subjekt.

Ein Bernhardiner-Besitzer sagte dieser Ausbilderin, sein Hund möge keine Russen. Und das solle sie mal eben ändern. Sie fragte ihn, wer denn hier das rassistische Gedankengut habe: der Hund oder er.

 

Kein Hund kann etwas für die Intelligenz seines Besitzers.

Sie hat noch ein Beispiel für die Forderung nach einem Intelligenztest für Menschen, die mit Hunden umgehen. Wobei die Hunde die Tester sein sollten.

„Eine mit einem Staffrüden, ein freundlicher Kerl, aber völlig unerzogen, stand bei mir, ich fragte sie, warum sie sich so mitzerren lasse, dass man einem Hund doch was beibringen kann, ohne viel Druck und so. „Ach nö, wir haben ja zwei, und da haben ich keine Lust und Geduld. Ich hab es mal probiert, eine Woche lang, da fehlt mir die Geduld."

Da fehlt noch ganz was anderes.

 

 

 

 

Quelle: www.hundezeitung.de/top/top-16.html