Fee aus dem F-Wurf aus Ebby und Max in 2008

Hund & Mensch

 

Hundliche Dominanz, die vor vierzig Jahren noch kein Thema war, ist inzwischen in zu einem großen Problem geworden. Das liegt aber nicht daran, dass die Hunde dominanter geworden wären als früher, sondern an dem hohen Prozentsatz von Hundebesitzern, die zu schwach sind, die es zulassen, dass sie von ihren eigenen kleinen Kindern und ihren Hunden untergeordnet werden. Unsachliche Affenliebe und eine gefährliche Laissez-faire-Mentalität hat konsequente Erziehung abgelöst. Viele verbinden mit Hundeerziehung und -Ausbildung immer noch den Kasernenhofton und die Härte früherer Dressur. Abgeschreckt durch derartig antiquierte Erziehungsmethoden wird die Erziehung nun ganz unterlassen. Das arme Tier soll seine Freiheit haben. Verbreitet herrscht regelrecht Mitleid mit Hunden, die nicht rund um die Uhr machen dürfen was sie wollen. Dass ein wohlerzogener Hund letztendlich mehr Freiheiten und ein erfüllteres Leben hat als der, der zweimal am Tag für eine halbe Stunde auf der Hundewiese losgelassen wird und ansonsten zuhause bleiben muss, weil er überall unangenehm auffällt, sehen die wenigsten. Aus einem Hund, der einfach nur liebevoll behandelt wird, muss nicht zwangsläufig ein "lieber Hund" werden!

 

Während früher die Hunde meist zur Arbeit gezüchtet und gehalten wurden, sind sie heute oft verwöhnte Luxusgeschöpfe, deren Tagesablauf von Langeweile geprägt wird. Doch ein Hund muss beansprucht werden, und zwar körperlich und geistig. Wenn er sich langweilt, sorgt er anderweitig für Aufregung in seinem Leben: er wird zum "Problemhund" und seine Menschen stöhnen nur noch: "Versteh' einer diesen Hund ...!?!"

Unter Rangordnung versteht man Überlegenheits-Unterordnungs-Beziehungen. Ranghohe Tiere haben meist einen größeren Handlungsspielraum und einen bevorzugten Vortritt zu Ressourcen wie beispielsweise zu Nahrung, Schlaf- und Ruheplätzen oder zu Paarungspartnern. Dominante Tiere haben aber nicht nur Vorrechte, sondern auch spezifische Pflichten. In vielen Fällen müssen sie die Gruppe gegen Angriffe schützen oder Auseinandersetzungen zwischen Untergeordneten schlichten bzw. für den Zusammenhalt der Gruppe sorgen. Das verlangt von ihnen soziale Kompetenz, die weit mehr bedeutet als reine Machtausübung des Stärkeren. Die unterschiedlichen Rangpositionen werden die meiste Zeit kampflos respektiert, was für Ruhe und Frieden in der Gruppe sorgt. Eine klare Rangfolge ist friedenssichernd und überlebenswichtig für alle sozialen Tiere.

 

Hundehalter sind sehr verschieden und betrachten ihre Hunde auf unterschiedliche Weise, was auch den Umgang mit ihnen prägt.
Ein eher autoritärer Hundeführer hat die Tendenz, Führung und Dominanz als etwas Forderndes, Kontrollierendes und Strafendes zu interpretieren.
Ein eher gefühlvoller Hundeführer sieht in den selben Begriffen etwas Freundliches und Fürsorgliches.

 

Die Worte Rangordnung und Dominanz sind in der Hundeerziehung in letzter Zeit regelrecht in Verruf geraten und man hört immer wieder z.T. recht fanatische Stimmen, die Rudelkonzept und Dominanz ablehnen:
- Aber auch wenn die Hunde keine Wölfe mehr sind und sich zu einer eigenen Art entwickelt haben, so haben sie doch viele Wolfseigenschaften in ihr Hundedasein mitgebracht. Welche Eigenschaften das sind, kann von Hundetyp zu Hundetyp verschieden sein. DAS Wolfs-/Hundeverhalten gibt es sowieso nicht. Caniden (Hundeartige) sind Anpassungskünstler. Gerade deshalb können sie uns ja so geschickt um die Pfote wickeln.

 

Manche Hundler lehnen das Rudelkonzept ab, weil Hunde uns nicht als Artgenossen sehen und deshalb auch kein Rudel mit uns bilden können. Aber weshalb kommunizieren sie mit uns dann mit den gleichen visuellen Signalen, die sie auch gegenüber ihren Artgenossen zeigen? Mit Tieren anderer Spezies kommunizieren sie nicht auf diese Weise. Menschen und Hunde bilden einen Sozialverband, in dem es eine für den Hund erkennbare stabile Gruppenhierarchie geben sollte. Außerdem kann es Dominanzhierachien situationsbezogen zwischen allen Spezies geben. Inner- und außerartlich. Dazu braucht es überhaupt kein Rudel, sondern nur mindestens zwei miteinander agierende Lebewesen, deren Bedürfnisse sich zumindest teilweise überschneiden.

- Aus dem gleichen Grund wird auch die Bezeichnung "Alpha" abgelehnt. Gleichzeitig führt man aber ein neues Wort ein, wie z.B. "Idol" und spricht davon, dass der Mensch das Ideal, das Vorbild, für den Hund sein soll. Aber wie kann ein artfremdes Wesen Vorbild sein? Dafür sind Hund und Mensch nun wirklich zu verschieden. Einen "Alpha", bzw. Anführer, kann ich mir dagegen auch zwischen unterschiedlichen Arten gut vorstellen. Laut Duden ist "Idol" ein Gegenstand der Verehrung. Irgendwie ist das alles doch "das Gleiche in grün" - also lediglich eine Frage der Definition (und eine Frage des Geschäfts, denn mit den neuen Namen lässt sich gutes Geld verdienen.)

- Andere lehnen die Dominanztheorie ab, weil sie "Dominanz" mit Unterdrückung im alten Stil, mit Härte und Gewalt gegen Abhängige gleich setzen. Auch verstand man die Rudelordnung früher als starre Hackordnung mit Alpha, Beta ... Omega. Neuere Forschungen haben dieses falsche Bild inzwischen zurecht gerückt. Das Eltern-Nachwuchs-Dominanz-System hat das veraltete Alphakonzept abgelöst. Heute spricht man von Einordnung statt Unterordnung!

 

Sicher, das Wort "Dominanz" ist so missbraucht worden, dass die Versuchung nahe liegt, es ganz aus unserem Vokabular zu streichen. Im Namen von Dominanz und Rangordnung wurde viel Unheil an Hunden angerichtet. Die Dominanztheorie verkam zu einer falsch verstandenen, denn Dominanz hat nichts mit dem Brechen einer Hundeseele zu tun. Doch nur, weil diese Theorie früher falsch interpretiert wurde und zu gewaltsamen Auswüchsen führte, muss man doch nicht gleich die ganze Theorie über Bord werfen! Führerschaft und Dominanz des Menschen lassen sich auch mit gewaltfreien Methoden erreichen. Dafür braucht man keine starke Hand, sondern einen starken Geist. Beim Leben in Hierarchie geht es längst nicht mehr um die Bestie, welche nur durch Härte bezwungen werden kann, sondern um klare Strukturen und eine konsequente Erziehung mit festen Regeln, die den Menschen für den Hund berechenbar machen und ihm so die notwendige Orientierung und Sicherheit vermitteln. Gewalt ist dabei völlig überflüssig. Dominanz hat nichts mit Gewalt oder Aggression zu tun. Weder von Seiten des Menschen noch von der des Hundes!

 

Ziel sollte sein, ein ausgewogenes Gleichgewicht zu erlangen zwischen Grenzsetzung und Steuerung des Hundes einerseits und Nachsicht sowie Ermutigung andererseits. Der Hund sollte gut an seine Familie und Lebensumstände angepasst sein und trotzdem eine fröhliche, freundliche Persönlichkeit entwickeln können.

Ein gut eingeordneter Hund wird seinem Menschen willig folgen und braucht nur wenig Unterordnung. Wie eine solche wohlwollende Führung des Hundes durch den Menschen aussehen kann, möchte ich Ihnen auf dieser Seite zeigen. Dabei gibt es allerdings kein Patentrezept, denn die Hunde sind genauso verschieden wie die Menschen. Es gibt viele Hunde, denen die Rangordnung einfach "schnurz" ist. Dem rangordnungsbewussten Hovawart dagegen ist das Streben nach Dominanz in die Wiege gelegt. Sein Dominanzverhalten sollte man daher immer im Auge behalten. Ich möchte im Folgenden ledigich einige Denkanstöße geben. Letztendlich muss jeder Hundeführer seinen eigenen Weg finden.

 

Es gibt unterschiedliche "Weltanschauungen" in Sachen Hund. Die Klärung der Rangordnung gilt heutzutage bei vielen Hundeleuten als vermeintlicher Lösungsansatz für eine Vielzahl von Hundeproblemen - doch sie darf nicht den Charakter einer Universallösung bekommen. Das Konzept der Rangordnung ist einleuchtend und daher sehr verführerisch. Dieses Denkmodell kann uns helfen, bestimmte Verhaltensmuster soziallebender Tiere besser zu verstehen und auch vorherzusagen. Aber passen Sie auf, dass Sie keinen "Tunnelblick" bekommen. Solche Worthülsen sind immer auch eine Brille, durch die die Wirklichkeit uns nur noch gefiltert erreicht. Hundeprobleme können viele Ursachen haben. Man sollte immer erst die Motivation des Hundes untersuchen. Meist will der Hund gar nicht die Führung übernehmen, sondern einfach nur möglichst viel Komfort für sich selbst herausschlagen.Die pauschale Diagnose "Dominanz" trifft in den seltensten Fällen den wahren Kern des Problems. Es ist nur eine "Erklärungsmütze", die über eine Situation gezogen wird und die den Blick für andere Lösungsansätze verschleiert. Nicht umsonst ist das Wort "Dominanz" für viele zum Unwort geworden. Oft ist ein "dominanter" Hund einfach nur ein schlecht erzogener Hund!

 

Egal, welcher "Glaubensrichtung" man anhängt, es läuft immer auf das Gleiche hinaus:
- Der Mensch muss Regeln aufstellen und sie auch durchsetzen.

- Der Hund ist nur dominant, wenn der Mensch sich dominieren lässt.

 

Um es noch einmal klar zu sagen: Die Aussage "Dieser Hund ist dominant" beinhaltet keine Schuldzuweisung an den Hund, sondern lässt - ganz im Gegenteil - einen Rückschluss auf die mangelnden Führungsqualitäten seines Besitzers zu. Das wirkliche Problem findet man immer am oberen Ende der Leine! (eine Einschränkung sei fairerweise allerdings zugestanden: leider sind wir Menschen nicht immer "unseres Glückes Schmied" und manchmal Bedingungen unterworfen, die negative Auswirkungen auf unseren Hund haben können) Auch die Ausrede: "Dieser Hund/diese Rasse ist eben so" ist nur ein Zeichen menschlicher Schwäche. Was auch immer in der Beziehung Mensch-Hund schief läuft, "Schuld" ist nie der Hund, denn der folgt nur seinen inneren Regeln und kennt kein Gut und Böse. Auch ein Hund, der seine Familie terrorisiert ist nicht schlecht. Wir dürfen unsere Hunde nicht mit menschlichen Moralvorstellungen messen. Trotzdem können wir sie nicht einfach "laufen" lassen. In der Menschenwelt herrschen nun mal andere Bedingungen als in der Hundewelt. Und dient die positiv verstandene Dominanz des Menschen nicht auch oft genug dem Schutz des Hundes vor den Gefahren unserer Menschenwelt? Schuld an schlechter Integration hat immer der Mensch: entweder durch mangelhafte Erziehung, fehlende Konsequenz oder unklare Einordnung! Nicht der Hund muss sich ändern indem man seine Dominanz reduziert, ihn evtl. sogar einschüchtert, sondern der Mensch ist gefragt, der sich auf seine Führungskraft besinnen und dem Hund Autorität vermitteln muss. Das kann ein langer und manchmal harter Weg für den Menschen werden – aber es lohnt sich! Das "Problem" ist vom Hund, ohne dass man ihm gegenüber jemals ein lautes Wort anwenden muss, und ohne dass man ihm körperliche Gewalt zufügen müsste.

 

Zur Schau getragene Arroganz und Grabenkämpfe helfen niemandem weiter. Anstatt uns in Gefechtsständen zu verbarrikadieren und gegenseitig zu beschießen sollten wir besser unsere Scheuklappen weglegen. Es geht nicht um das Thema Dominanz an sich sondern darum, was wir unter Dominanz verstehen. Dominanz bedeutet für mich Selbstbewusstsein und Souveränität vorzuleben; dem Hund eine klare Linie vorgeben, an der er sich orientieren kann und ihm Sicherheit geben, indem man ihm durch sanfte Konsequenz zeigt, dass der Mensch das Rudel im Griff hat. Es könnte so einfach sein, wenn man "Dominanz" durch natürliche menschliche Autorität und gegenseitigen Respekt ersetzen könnte. Aber leider ist es für viele Hundebesitzer nicht so einfach. Diesen Hundebesitzern möchte diese Homepage eine Hilfe sein. Und irgendwann führt uns die Wissenschaft vielleicht wieder ein Stück näher an die wahre Seele des Hundes heran.

 

Autorität ist eine Frage der persönlichen Ausstrahlung (soziale Kompetenz) und der problemorientierten Kompetenz (der "Fachmann"). Eine solche Kombination wird im Allgemeinen widerspruchslos als Autorität anerkannt, ja sogar gesucht. Sie gehört zur Überlebensstrategie von Sozialgemeinschaften. Durch Autoritäten werden erfolgreiche Verhaltensweisen und Techniken weitergegeben, werden auch im weiteren Verlauf zur Tradition. Autoritäten sind für die erfolgreiche Entwicklung des Individuums notwendig.
Autoritär heißt, trotz mangelnder Kompetenz Anerkennung und Respekt zu fordern. Einer solchen Anmaßung wird stets Widerstand entgegengesetzt. Sie wird nur durch Machtmittel aufrecht erhalten. "Autoritär sein" ist das Gegenteil von "Autorität haben".
Die antiautoritär genannte Haltung lehnt nicht nur (anmaßende) autoritäre Forderungen ab sondern zugleich auch die natürliche (kompetente) Autorität. Die antiautoritäre Erziehung im Sinne des durch die 68-er entstandenen falschen Klischee-Begriffs bedeutet etwas ähnliches wie "keine Regeln, maximale Freiheit".

 

Führen und geführt werden
Übertragen auf den Hund heißt das: Der Mensch muss sich für den Hund über das Vertrauen zu einer anerkannten Autorität entwickeln, die respektiert und geachtet wird. Manche Hundeführer strahlen von sich aus eine natürliche, überzeugende und gewaltfreie Autorität aus, so dass die Rollenverteilung absolut klar ist und vom Hund nie in Frage gestellt werden muss. Rangordnung ist in dieser Beziehung dann einfach kein Thema. Die Autorität des Rudelführers ist nicht autoritär. Er agiert für den Hund als souveräne, faire Leitfigur. Der Hund spürt die mentale Stärke seines Menschen und kann ihm vertrauen. Bei der Erziehung des Hundes sollten wir ihm so viel Freiheit wie möglich lassen, ihm gleichzeitig aber auch Grenzen setzen und so viele Regeln und Struktur geben wie nötig. Das Sagen hat auf jeden Fall der Zweibeiner. Der Hund darf niemals "Alpha" sein sondern bestenfalls "Beta"!

 

Das Wolfsrudel als Vorbild für die Hundeerziehung und -ausbildung?

 

Unsere Hunde sind zwar keine Wölfe mehr und haben sich im Laufe von 15.000 Jahren an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst, trotzdem wird als Erklärung für das Verhalten von Hunden immer wieder das Rudelleben der Wölfe herangezogen und auf den Hund übertragen. Sicher - wir können viel vom Wolf lernen, z.B. über sein Ausdrucksverhalten oder wie wir unserem Hund etwas vermitteln können, wie wir ihn artgerecht strafen und loben. Aber wissen wir wirklich, wie sich Wölfe verhalten?? Aus heutiger Sicht sind all diese Weisheiten vorschnell. Wie die Rudelhierarchie der Wölfe wirklich funktioniert, können wir noch immer nicht sicher sagen. Und selbst wenn wir das könnten - wie sollen wir das auf unsere Wohlstandswauwaus übertragen?

Besonders wenn es um Unterordnung, Dominanz und Rangordnung geht, müssen immer wieder die Wölfe für diverse Rudeltheorien herhalten. Doch gerade auf diesem Gebiet hat sich unser "Wissen" in den letzten Jahren stark verändert. Also - wie erreichen bei den Wölfen die Alphatiere überhaupt ihren dominanten Status? Früher glaubte man, dass Wölfe in einer starren, auf Zwang basierenden Dominanzhierarchie leben und die diktatorischen Alphas ihren höheren Status gegen nachdrängende Rebellen immer wieder durch Kämpfe "mit Zähnen und Klauen" verteidigen müssen. Dementsprechend sollten auch die Befehle des Menschen eherne Gesetze sein, die notfalls mit Gewalt durchgesetzt wurden. Autorität und Dominanz wurde mit Strenge, Härte oder gar Strafe gleichgesetzt. Bei Ungehorsam sollte der Hundeführer dem Hund seine körperliche Überlegenheit durch rüde Umgangsformen und Starkzwang klarmachen (kneifen ins Ohr, Umdrehen der Hoden, Tritt in die Seite, "Kopfnuss", Stock, Reizstromgerät, aufhängen am Halsband, dünnes Würgehalsband, Stachelhalsband oder völlig unverhältnismäßig angewandte scharfe Leinenrucke). Fehlverhalten des Hundes wurde als absichtliche Widersetzlichkeit betrachtet: man unterstellte dem Hund menschliche Motive und sagte, der Hund wolle seinen Hundeführer 'reinlegen', 'austricksen' oder 'ärgern'. "Er weiß es genau, aber er tut es extra nicht" heißt es dann. Echte Verweigerungen sind jedoch eher selten und dann meist gerade die Folge von Zwangseinwirkungen. Die Ausbildung des Hundes wurde vor allem als Machtkampf zwischen Herrn und Hund angesehen. Motto: Zuckerbrot und Peitsche. So hat man innerhalb kürzester Zeit einen Hund, der auf’s Wort pariert. Allerdings gehorcht dieser Hund nicht aus Achtung vor seinem Besitzer sondern aus Angst vor Strafe. Er ist kein Kamerad sondern ein Sklave.

 

In Wirklichkeit gibt es diese menschlich verstandene Dominanz - Macht nur um der Macht willen, Macht die etwas beweisen soll, Macht die Kraft zeigt - unter Wölfen gar nicht. Die meisten Beobachtungen, die früher als Vergleich zu unseren Hunden herangezogen wurden, sind an in Gefangenschaft lebenden Gruppen gemacht worden, die willkürlich zusammengesetzt wurden, also kein gewachsener Familienverband waren. Diese Sammelgruppen mussten auf eng begrenztem Raum leben und hatten keine Ausweichmöglichkeiten. Durch den unerträglich hohen Stresslevel war die Aggressivität der Tiere untereinander in diesen Wolfsgehegen natürlich relativ hoch. Neuere Forschungen an freilebenden Wolfsrudeln zeigen dagegen ein ganz anderes Bild. Die alte Mär vom ständig führenden Oberwolf, der diktatorisch sein Zepter schwingt und dem sich alle anderen quasi willenlos unterordnen, bröckelt mehr als gewaltig. Wir dürfen nicht den Fehler begehen, das Stressverhalten von Wölfen mit dem Normalverhalten unserer Hunde gleichzusetzen!

Genauso sind aber auch wilde Hunde, die von den Abfällen der menschlichen Überflussgesellschaft leben und es gar nicht nötig haben, sich zu organisieren, ein schlechter "Ratgeber". Zwar leben auch unsere Wohlstandswauwaus im Überfluss und müssen nicht für das Überleben der Familie sorgen, aber sie leben nicht in Freiheit, können nicht einfach ihrer eigenen Wege gehen. Unser Sofawolf muss sich einordnen und kann nicht einfach tun, was er will. Und ist nicht gerade eine solche Goldmine von Ressourcen, von Gourmetnahrung bis hin zur allabendlichen Massage, etwas, worum es sich zu kämpfen lohnt?

Autorität nach Elternart
Rudelbildung ist keine gnadenlose starre Hackordnung von oben nach unten, sondern eine Rollenverteilung, in der jeder eine Aufgabe übernimmt, die seinen Fähigkeiten entspricht. In der Natur besteht ein Wolfsrudel meist aus den Elterntieren und ihrem Nachwuchs. Durch ihre größere Erfahrung, ihre soziale Kompetenz und ihren Entscheidungswillen sind die Eltern fast automatisch dominant. Außerdem demonstrieren sie ihre Dominanz durch ihre Körpersprache und ihr Markierverhalten. Es gibt im Rudel also keine heftigst verteidigte und ständig umkämpfte Rangordnung, sondern eine Familienstruktur in der das Leben eher ruhig und unspektakulär abläuft! Alpha ist meist das älteste Tier - egal ob Vater oder Mutter. Die Rangordnung ist also eher eine Altersordung.

 

Wölfe verhalten sich den Erfordernissen einer Situation entsprechend. Das Rangverhalten orientiert sich nicht an einer formalen, prestigebeladenen Hierarchie, sondern an den für das Überleben erforderlichen Funktionen. Ranghoch zu sein, hat in erster Linie etwas damit zu tun, sich um das Wohlergehen der Rudelmitglieder zu kümmern. Die Alphatiere leiten die Geschicke ihres Rudels nur, wenn es um Reproduktion, Nahrungsbeschaffung oder Gefahrenvermeidung geht. Der Alpha hat Erfahrung, "hat den Plan", und seine "planlosen" Nachkommen tun gut daran, sich an den Älteren zu orientieren. Sie folgen ihnen aus Eigeninteresse - oder auch nicht. "Gehorsam" spielt im Wolfsrudel keine Rolle. Unsere Ausbildung und die Forderung von absolutem Gehorsam wäre für einen Wolf etwas völlig unnatürliches. Der Leitwolf kann seine Schutzbefohlenen zu nichts zwingen. Er kann durch Imponieren oder Aggression lediglich Unterlassungen fordern. Aktivität jeder Art jedoch erfordert Motivation - die anderen müssen es wollen. Die Kooperation geschieht also freiwillig. Zurechtweisungen kommen im Wolfsrudel sehr selten vor. Nur im Ausnahmefall werden dem Nachwuchs die Grenzen gezeigt - und wenn, dann geschieht dies meist gewaltfrei und so gut wie ohne Körperkontakt. Falls eine Zurechtweisung nötig ist, genügt ein Blick, eine drohende Körperhaltung oder ein Knurren. Ein ranghöheres Tier maßregelt ein rangniederes nicht ständig, lässt es durchaus auch selbständig agieren und delegiert ihm Aufgaben, für die es besonders geeignet ist. In einem Rudel spielt jeder seine Rolle. Im sicheren Kernrevier scheint es sogar überhaupt keine Rolle zu spielen, wer die Gruppe anführt. Die Leittiere räumen gelegentlich ihren Untergebenen Rechte ein, die eigentlich nur ihnen selbst zustünden. Sie haben es nicht nötig, ständig den Chef heraushängen zu lassen - aber das können nur die wirklich Souveränen! Doch wenn es darauf ankommt, wird der "Alpha" agieren und seine Entscheidung treffen - und die steht dann nicht zur Diskussion.

Unsere Haushunde leben unter ganz anderen Bedingungen als ihre Urahnen. In freier Wildbahn wandern erwachsen werdende Jungwölfe, die mit ihrer Familie in Konflikt geraten sind, im Alter von etwa 2-3 Jahren ab und gründen ein eigenes Rudel. Wäre das nicht möglich, sähe das Zusammenleben im Rudel auch in freier Wildbahn sicher nicht mehr so friedlich aus. Unser Sofawolf aber kann nicht einfach seiner eigenen Wege gehen und muss gehorchen. Wir halten ihn sein Leben lang in jugendlicher Abhängigkeit. Eigenständige Hunde wie der Hovawart zeigen dann immer wieder Expansionstendenzen, denen wir rechtzeitig entgegenwirken müssen. Natürliches Hundeverhalten ist im Familienbetrieb nur seltenst erwünscht. Hier muss es Regeln und Hierarchien geben - und damit auch Dominanz, um diese durchzusetzen. Dabei sollten wir aber nicht aggressiv werden, wie es das alte Rudelmodell nahe legt, sondern uns eher wie gute Eltern verhalten, die ihren Nachwuchs führen und fördern. Autorität ist nicht das Ergebnis von einzelnen Unterordnungsübungen, sondern ein Resultat des praktizierten täglichen Umgangs. Der Hund erwartet von uns eher eine psychische Überlegenheit als eine körperliche. Und das sollte uns doch eigentlich nicht allzu schwer fallen ;-)

Wenn wir unsere geistige Überlegenheit ins Spiel bringen und unserem Hund im täglichen Leben unsere Führungsqualitäten zeigen, wird der Hund uns gehorchen, weil er es für richtig hält. Freiwilliger, freudiger, vertrauensvoller Gehorsam ist das, was jeder Hundebesitzer anstreben sollte.

 

Nahezu alle Probleme mit Hunden haben ihre Ursache in ungeklärten Dominanzverhältnissen. Die Rangeinweisung ist der erste Schritt in der Erziehung. Bei der Aufnahme eines Welpen in die Familie ist die Einordnung auf dem hintersten Platz naturbedingt, denn der Jüngste fängt eben ganz unten an, und das weiß der Welpe. Diese natürliche Rangordnung muss eigentlich nur noch aufrecht erhalten werden. Wenn der Junghund ins Flegelalter kommt, kann die Rangordnung aber durchaus einmal der Klarstellung bedürfen. Es ist biologisch absolut funktional, dass jüngere Hunde die Älteren immer wieder mal "hinterfragen" und austesten, ob diese überhaupt noch in der Lage und willens sind, das Rudel weiterhin zu führen. Zeigt der Mensch nun Führungsschwäche, so zieht der Hund den Schluss: "Mein Chef ist kein Chef, und bevor hier alles den Bach runtergeht, übernehme ich die Verantwortung lieber selbst. Einer muss ja schließlich ..." Der Kompetenteste übernimmt die Führungsposition. Klingt doch logisch, oder? So "denkt" nicht nur der Hovawart. Ist die Rangordnung nicht geklärt, glaubt auch der winzigste Hund, die Initiative ergreifen und die "Herrschaft" im Haus in die Hand bzw. zwischen die Zähne nehmen zu müssen (kaum zu glauben, aber gerade kleine Hunde haben ihre Menschen oft besonders gut im Griff). Die ersten, scheinbar harmlosen Vorzeichen dieses Konflikts werden von den Besitzern leider oft übersehen. Doch als ob man einen Lichtschalter umlegt, übernimmt der Hund eines Tages "überraschend" die Verantwortung und setzt seine Rechte und Pflichten durch. Baut sich dann ein kräftiger Rüde bedrohlich auf, reagieren die Besitzer meist unsicher und ängstlich. Damit bestätigen sie das Verhalten des Hundes in seinen Augen als richtig und notwendig. Aber in anderen Situationen verhalten sich die menschlichen "Underdogs" manchmal doch nicht so, wie es ihrem niederen Rang entsprechen würde. Spätestens dann, wenn körperliche Strafen mit ins Spiel kommen, kann die Situation eskalieren. Entwickelt sich der ehemals putzige Knuddelbär dann zum Tyrannen, ist die Enttäuschung groß. Und ist der Hund erst in den Brunnen gefallen, wird er schnell als bissig und unberechenbar in den Müll (Tierheim) entsorgt oder sicherheitshalber gleich in den "Hundehimmel" geschickt ...

Hundehaltung mit "Verwöhnaroma".

Ein Problem ist die zunehmende Vermenschlichung unserer Hunde in einer Zeit wachsender sozialer Kälte unter den Menschen. Unsere Vierbeiner dürfen viel zu selten einfach nur "Hund" sein. Sie werden wie Paschas umsorgt und verhätschelt, sitzen auf Frauchens Schoß und schlafen in Frauchens Bett. Der Hund fungiert als Partnerersatz, mit dem dann demokratisch/vermenschlicht zusammen gelebt wird. Gerade kleine Hunde spielen bei ihren Menschen oft die erste Geige. Sie sind einfach zu niedlich um sie wie einen richtigen Hund zu behandeln. Und der Hund nimmt die Liebesbeweise, die in seinen Augen Beschwichtigungsgesten eines Untergebenen sind, entgegen, glaubt sich zum umworbenen Boss gekürt und besteigt den Thron, den man ihm angeboten hat. Denn die Rangordnung wird nicht durch Aggressionsverhalten gefestigt, sondern durch das Unterwerfungsgehabe des Rangniederen. Wir müssen lernen, die Welt mit den Augen und dem Verstand des Hundes zu sehen. Die wirkliche Hundewelt ist leider nicht so romantisch, wie Disney uns das suggeriert. Würden wir die Bedürfnisse unserer Vierbeiner und ihr wölfisches Erbe wirklich respektieren und achten, wäre unsere Gesellschaft um viele sogenannte Problemhunde ärmer. Hunde sind Ordnungsfanatiker. Ohne klare Rangordnung sind sie unsicher, ängstlich, aggressiv und schwer bis nicht erziehbar. Sie wirken oft hektisch und gestresst. Stuft man sie in der Rangordnung herunter, sind sie deutlich ausgeglichener und zufriedener, denn Regeln vermitteln dem Hund Sicherheit und Geborgenheit. Je klarer Sie für ihn die Führungsposition innehaben, desto mehr kann er Ihnen "glauben" - gerade auch in schwierigen, angstauslösenden Situationen. Nur eingeordnete Hunde sind (selbst)sichere Hunde.


Unterdrückung macht die Seele klein. Die Rangeinweisung sollte nicht zum Ziel haben, den Hund einzuschüchtern oder völlig zu unterwerfen. Über die Rudelführung entscheiden weniger Kraft und Herrlichkeit, sondern Klugheit und Erfahrung. Der Mensch muss dem Hund ein Führer sein, aber nicht einer, vor dem der Hund Angst haben muss. Ein guter Rudel-/Hundeführer gibt seinem Hund Unterstützung und Liebe. Er ist einer, der den Weg weist, zu dem der Hund aufschauen und dem er vertrauen kann: ruhig, sicher, beschützend und freundlich. Ein guter Führer belohnt und unterstützt anstatt nur falsches Verhalten zu bestrafen und wird nur äußerst selten aggressiv um Konflikte zu lösen. Auch in der Mensch/Hund-Beziehung sollten aggressive Handlungsweisen wie der sogen. "Alphawurf" auf seltene Extremsituationen beschränkt werden um den Hund an seinen geringeren Rang zu erinnern. Ich habe die Alpharolle bei Argus nur 2 oder 3mal angewendet, als er im Flegelalter war und eine deutliche Maßregelung "brauchte". Nach einer solch harten Maßnahme muss aber immer etwas positives kommen. Deshalb sollte man dem Hund durch Ausführen eines Befehls sofort die Gelegenheit zu richtigem Verhalten geben, das man belohnen kann. Die Alpharolle ist nicht dazu geeignet, den Hund einzuordnen! Ganz im Gegenteil. Ist die Rangordnung nicht bereits vorher geklärt, kann diese äußerste Disziplinierungsmaßnahme sehr leicht ins Auge gehen. Wenn ein Hund in dieser Situation beißt ist er nicht dominant oder bösartig, sondern er glaubt, sein Leben verteidigen zu müssen. Ihm fehlt das Vertrauen zu seinem Menschen.

Autorität überzeugt, nicht aber autoritäres Machtgehabe. Wer seinem Hund mit drakonischen Zwangsmaßnahmen, Gewaltausbrüchen, Härte, Druck, Strafe, Schlagen, Schreien, Schimpfen und barschem Kommandieren zeigen will, wer der Herr im Hause ist, hat die Schlacht schon von vornherein verloren. Diese dumm-groben Methoden signalisieren dem Hund eher die Unterlegenheit seines Besitzers. In der Hundesprache ist Nervosität und Hektik ein Zeichen der Schwäche. Und solange Sie nicht erfolgreich ihre Position als "Alpha" etabliert haben, werden fragwürdige Korrekturen wie Schlagen, Schütteln oder Alpharolle sowieso nicht funktionieren. Im Gegenteil, sie können bei einem selbstsicheren Hund sogar gefährlich sein und ins Auge gehen, denn ein Alphatier kann auf solche Methoden mit heftiger Gegenaggression reagieren.

Dem Sanftmütigen und Schlauen gehört die Welt
Dominanz entsteht ohne tatsächlichen Kampf. Jeder Versuch der Aggression würde eine Herablassung zu dem Niveau des wutschnaubenden, also schwächeren Gegners bedeuten. Einen hohen sozialen Status erreicht in einem Hunde/Wolfsrudel nicht das stärkste und aggressivste Tier, sondern ein besonders erfahrener Wolf, der die höchste soziale Kompetenz und auch Jagdkompetenz zeigt. Also Fähigkeiten, die das Überleben der Gemeinschaft sichern. Alpha-Wölfe sind Leitfiguren mit Vorbildfunktion, die viele Aktionen einleiten. Rudelführer ist nicht der Stärkere, sondern der Schlauere!

Der Fels in der Brandung
Ein Rudelführer hat Vorbildfunktion. Langzeitstudien an Wölfen ergaben, dass ein "wahrer Alpha" die Fähigkeit hat, ohne physische Gewalteinwirkung für Ordnung in der Gruppe sorgen zu können. Hunde sind Meister der Konfliktvermeidung! Nur so bleibt die Rudelgemeinschaft erhalten. Ein Rudelführer muss also Lösungsstrategien entwickeln und anwenden können. Um die richtige Strategie zu finden, müssen Sie eine gewisse Intelligenz aufweisen und Entscheidungen treffen können. Natürlich muss ein "Alpha" auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen besitzen um seine Stellung zu behaupten, aber das läuft in der Regel gewaltfrei ab. Diplomatie ist erfolgreicher als Aggression, denn bei Aggression kann einer gewinnen - das stimmt. Aber beide können auch verlieren. Bei beschwichtigten Konflikten können sich beide Parteien als halbe Sieger fühlen, da keiner unterliegt. Sie haben keine Wunden zugefügt bekommen und sind psychisch stabil geblieben. Das vermeidet Folgekonflikte und die Sozialgemeinschaft bleibt nach außen stark. All diese Eigenschaften, die zur Erhaltung des Rudels wichtig sind, sind von Natur aus nicht negativ und sogar zum Überleben notwendig.

Ein echter Alpha agiert souverän, fair, konsequent und durchaus auch liebevoll! Ein Alpha hat es nicht nötig, seinen Vorrangstatus immer und immer wieder zu bestätigen. Er regiert durch subtile, psychologische Kontrolle, die durch rituelles Gebaren (eindrucksvolle Körpersprache, ausdrucksstarker Blickkontakt) durchgesetzt wird. Der echte Alpha vermittelt den anderen Gruppenmitgliedern Sicherheit und Geborgenheit. Sie fühlen sich zu ihm hingezogen.

Hunde brauchen klare Regeln, an die sie sich halten können, also eine konsequente Erziehung. Die Kunst der Rangeinweisung liegt darin, dem Hund deutliche Grenzen aufzuzeigen und ihm trotzdem zugleich auch seine hündische Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit zu belassen. Er muss auch unter menschlicher Dominanz seinen persönlichen Charakter ausbilden können, braucht Spielräume für seine biologischen Bedürfnisse und muss deshalb auch ohne ständige Gängelei seitens seiner menschlichen Bindungspartner selbständiges Verhalten umsetzen dürfen. Solange es keine Unstimmigkeiten in der Rangordnung gibt, darf sich der Hund frei entfalten.

Das Leben ist ein großer Fluss
Keine Rangordnung ist festgeschrieben; sie kann sich verändern, der Unterste kann sich nach oben kämpfen, der Höchste kann seinen Rang verlieren. Es ist immer nur ein Prozess, nie ein Dauerzustand. Die Rangordnung wird ununterbrochen durch ein Geflecht vieler kleiner Symbolhandlungen und fein nuancierter körpersprachlicher Gesten im täglichen Zusammenleben abgesichert. Die Alphatiere halten die Ordnung im Rudel ohne großen Aufwand mit Blicken und Bewegungen aufrecht. Sogar der Wechsel in der Alpha-Position des Rudels kann ohne jeden Kampf nur über mimischen und gestischen Austausch zustande kommen. Jede Handlung des täglichen Lebens - fressen, schlafen, um Aufmerksamkeit betteln, spielen, Körperkontakt und Initiative - hat auch hierarchische Bedeutung. Diese soziale Kommunikation macht tatsächliche Kämpfe und Auseinandersetzungen überflüssig. Die symbolische Aktion ersetzt die reale.

Wer ist der "Herr" im Haus?
- Handeln wie ein (Über-)Hund -

Ranghoch ist derjenige,
- der die Freiheit hat, etwas durchzusetzen wann er es will

 

- der den anderen bewegen oder einschränken kann

 

Hunde sind soziale Tiere, die sich durchaus in ihre Familie eingliedern möchten. Dafür brauchen sie aber unsere Hilfe: mit liebevoller Konsequenz, Souveränität und Klarheit sollten wir unserem Hund Regeln geben, die es ihm erleichtern, sich in unserer Familienstruktur wohl und sicher zu fühlen. Hunde, die zu "Dominanz" neigen, sind häufig Tiere, denen diese Struktur fehlt.

Der Grund für die angebliche Dominanz mancher Hunde liegt meist im falschen Verhalten ihrer Besitzer. Die nachfolgenden Regeln sollen einen Leitfaden für das familiäre Zusammenleben darstellen und den Menschen helfen, Ordnung in ihr Leben mit Hund zu bringen. Hunde brauchen eindeutige Strukturen. Sie brauchen Menschen, die berechenbar sind und auf die Verlass ist. Durch das Einhalten dieser Rituale können einige häufig vorkommende Probleme mit Hunden reduziert werden. Die Grundregeln helfen dem Menschen, das eigene Verhalten zu überdenken und evtl. zu ändern. Für manche Hundeführer können diese Regeln ein Rettungsanker sein, weil sie dadurch endlich ein Werkzeug/einen Fahrplan in der Hand halten, nach dem sie vorgehen können. Dem Hund verdeutlicht das Regelwerk seine Stellung im Familienrudel, auch wenn es sich um scheinbar nebensächliche Schauplätze handelt.

Diese Regeln sind nicht für erfahrene Hundebesitzer gedacht, die wissen, wie Hunde "ticken" und ihr Leben entsprechend eingerichtet haben. Ob der Hund auf's Sofa darf, oder Leckerlies vom Tisch bekommt, ist dann meist unerheblich, da es die Rangordnung in diesen Fällen nicht auf die Probe stellt. Aber leider ist es für viele Hundebesitzer nicht so einfach. Diesen Hundebesitzern sollen diese Regeln eine Hilfe sein.

 

Wer keine Probleme mit seinem Hund hat, kann diese Regeln getrost "vergessen".
In einer intakten Hund-Halterbeziehung stören diese Regeln mehr als dass sie etwas nutzen würden!

 


 

Es ist ein Fehler, die eigenen demokratischen Denkstrukturen dem Vierbeiner aufzuerlegen, nur damit die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen befriedigt werden. Das Gleichheitsprinzip gilt allenfalls für Schwärme, nicht aber für Gruppen mit echten sozialen Strukturen. Die Hundewirklichkeit sieht anders aus. Demokratie ist für Hunde schlichtweg asozial. Jeder Hund denkt hierarchisch - mit Gleichberechtigung hat er nichts am Hut. Entweder führt der Mensch ihn oder er den Menschen. Wir sollten uns also in diesem Fall von unserer liberalen Einstellung lösen - Ihr Hund wird es Ihnen danken. Er erwartet die Eingliederung in die soziale Gruppe als Fundament seiner sozialen Sicherheit.

Der ideale Bully-Besitzer ist konsequent, aber auch geduldig, liebevoll, einfühlsam und fürsorglich. Er hat Autorität ohne autoritär zu sein, strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Der ideale Anführer ist ein ausgeglichener und besonnener Entscheidungsträger. Würde, Selbstsicherheit und Willensstärke verleihen ihm eine natürliche Überlegenheit und Durchsetzungsfähigkeit. Der Hund schenkt seine Anerkennung nicht einem dominanten Diktator, sondern vertraut nur einem Wesen mit vielfältiger sozialer Kompetenz.

Die Zauberformel zur Rudelführerschaft lautet:
Der Chef agiert und ignoriert, die anderen reagieren.

Regeln für das tägliche Miteinander
Viele Hunde leiden unter Orientierungslosigkeit. Allein die Tatsache, dass man überhaupt Regeln einführt, bewirkt bei diesen Hunden schon einen Durchbruch zum Besseren. Dabei ist es eigentlich egal, wie die Regeln aussehen; man könnte die folgenden Regeln sogar auf den Kopf stellen - auch dann würden sie helfen. Dieser Abschnitt soll ihnen einige Vorschläge liefern, wie Sie zur Führungspersönlichkeit werden, während Ihr Hund lernt, geduldig und höflich zu sein.

Diese Hausstandsregeln sind gedacht für Menschen und ihre Hunde, die Probleme im täglichen Miteinander haben. Ist in der Mensch-Hund-WG dagegen alles in Ordnung, muss man sich nicht an diese Regeln halten.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Bei meinen eigenen Hunden befolge ich diese Regen nicht! Sie sind auch so gut eingeordnet und machen keine Probleme. Weshalb sollte ich unser Zusammenleben also mit diesen Regeln belasten? Meine Hunde dürfen z.B. auf die Couch und ins Bett. Das Futter bekommen sie manchmal vor uns, sie dürfen Aufmerksamkeit erbetteln, zu Aktionen auffordern und bei Zerrspielen lasse ich sie fast immer gewinnen. Aber wenn ich will, dann setze ich mich auch wirklich durch!

Denken Sie immer daran: Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch viele Graustufen dazwischen. Finden Sie Ihren eigenen Weg!

Der Rudelführer schafft Tabuzonen, setzt klare Grenzen und Verbote, aber auf nette Art, aufmunternd statt strafend, eher mit Leckerbissen als drohend. Die Tabuisierung bestimmter Aufenthaltsbereiche (z.B. Essecke und Küche, v.a. während der Zubereitung und Einnahme der Mahlzeiten) unterstreicht den höheren Sozialstatus des Menschen. Der Ranghöchste darf dagegen alles. Er hat Zugang zu allem, wann immer er will.
Er bestimmt über die besten Ruheplätze. Besonders relevant sind erhöhte oder strategisch wichtige "Feldherrenhügel", die Kontrollblicke über das Revier oder den Rest des Rudels gestatten (Balkon, Terasse, Hauseingang, oberster Treppenabsatz, Sessel, Bett). Für den Anführer ist nichts tabu. Setzen Sie sich ab und zu auch auf die Decke und den Lieblingsplatz des Hundes. Er muss den Platz auf Wunsch unverzüglich ohne Protest räumen. Und statt auf dem Sofa in der Führungsetage mit ihm zu schmusen, begeben Sie sich auf seine Ebene herab, schmusen auf seiner Decke mit ihm. Gestatten Sie dem Hund keine eigenen Hundemöbel und keine schwer erreichbaren und gut zu verteidigenden Trutzburgen. Ein Platz am Rande des Geschehens genügt.
Er bestimmt, ob und wann der Hund Futter bekommt oder auch nicht. Fütterung evtl. erst nachdem die Familie ihre Mahlzeit beendet hat, nach Ausführung eines Befehls und anschließender ausdrücklicher "Genehmigung" (z.B. 'Nimms'). Fordert der Hund pünktlich sein Futter und wird so lange lästig, bis er es bekommt, sollte man die Routine ändern. Den Hund nie mit Dingen füttern, die man gerade selbst isst. Betteln missachten, da gibt es keine Ausnahme, auch wenn der Hund noch so hungrig guckt.
Nichts ist umsonst! Lassen Sie den Hund sein Futter verdienen. Also weniger Futter aus der Futterschüssel geben, dafür mehr aus der Hand über den Tag verteilt nach guter Kooperation mit den Zweibeinern. Das fördert die Bindung. Leckerchen zwischendurch gibt es nur als Belohnung für gehorsames Verhalten.
Er leitet die Mehrzahl der Initiativen ein, ohne die Initiativen des Hundes zu unterdrücken und ihn ständig zu gängeln. Agieren heißt Führung, Status demonstrieren und auch behaupten.
Er bestimmt über Zeit und Tempo des Auslaufs, lässt dem Hund in einem begrenzten Umkreis aber auch Bewegungsfreiheit. Ziehen an der Leine durch Stehenbleiben ignorieren. Der Gernegroß muss auf den Hundeführer achten, nicht umgekehrt. Wird der Hund von der Leine gelassen, erst ein "Sitz" verlangen, bevor man ihm die Erlaubnis zum "losdüsen" gibt.
Bei der Begegnung mit fremden Hunden vermittelt der Rudelführer Sicherheit und toleriert keine Aggressionen. Die Entscheidung wann, wo und mit wem gekämpft wird fällt ausschließlich der Rudelführer. Gerade ängstliche Hunde müssen lernen, dass es nicht ihre Aufgabe ist, sich um einen fremden Hund zu kümmern: Wenn der Chef nicht agiert, wird der fremde Hund in Ordnung sein und somit keinerlei Anlass dazu bestehen, was auch immer zu verteidigen. Die Entscheidungsgewalt liegt beim Ranghöheren.
Er stellt sich der "Gefahr", übernimmt die Verantwortung, wenn der Hund vor etwas Unbekanntem erschrickt. Er geht dort hin und animiert den Hund vorsichtig, mit ihm gemeinsam das "unheimliche" Ding zu untersuchen. Geben Sie Ihrem Hund niemals das Gefühl, dass Sie nicht weiter wissen.
Er führt den Hund, leitet ihn an, zeigt ihm Fertigkeiten (Erziehung, Ausbildung, Sport, Tricks; auch während des Auslaufs). Der Rudelführer ist interessant und kompetent. Der Hund erkennt: Jemand, der einem so viel beibringen kann, den muss man ganz besonders verehren - das ist ein ganz großer Rudelführer! Es lohnt sich, ihm nachzueifern.
Er geht zur Eingangstür, wenn es klingelt und entscheidet, ob der Besuch erwünscht ist oder nicht, während sein Helfer ins zweite Glied zurücktritt, etwas abseits liegt und ruhig die Entscheidung abwartet. Wichtig gerade bei Rassen, die Fremden gegenüber misstrauisch sind!
Er lässt sich bei seiner Rückkehr zum Familienrudel hoheitsvoll durch Schnauzenstöße begrüßen, ignoriert erst einmal allzu aufdringliche "Liebesbeweise" und bestimmt selbst den Zeitpunkt der Kontaktaufnahme. Morgens sollte der Hund mit Beschwichtigungsgesten seine Halter begrüßen und nicht umgekehrt. Der Ranghöhere lässt sich begrüßen. Untergeordnete Neuankömmlinge oder zeitweilig Abwesende müssen sich dagegen wieder in das Rudel einordnen, um "gut Wetter" betteln.
Er beginnt und/oder beendet soziale Interaktion, bestimmt Zeit, Ort und Art von direktem Körperkontakt und Spiel. Der Rudelführer lädt andere z.B. zum Schmusen ein, gestattet einem Unterlegenen aber nicht, sich von sich aus zu nähern. Seien Sie nicht jederzeit frei für Ihren Hund verfügbar. Machen Sie sich rar.
Er darf den Hund anfassen, bürsten und belästigen wann und wo er will. Dabei streichelt man auch über Kopf, Nacken und Schultern, auch wenn der Hund das "nicht mag". Drehen Sie ihn beim Bürsten auch sanft auf den Rücken und bearbeiten Sie vorsichtig auch unbeliebte Stellen. Zähne, Augen, Ohren, Pfoten und Hinterteil sollten regelmäßig "untersucht" werden. Der Hund darf sich bei diesen "Wartungsarbeiten" nicht entziehen oder wehren. Wer die Führung hat, kann anderen Rudelmitgliedern jederzeit körperlich "auf die Pelle rücken".
Aber Vorsicht: Durch ruckartiges Entwirren von Fellverfilzungen verbinden Hunde die Fellpflege oft mit Schmerz. Um das zu vermeiden, sollte man den Hund zunächst streicheln und an unempfindlichen Stellen bürsten.
... dazu noch ein Tipp: Man sollte vom Hund ab und zu ein "Platz" fordern, bei dem er sich auch auf die Seite oder den Rücken dreht. Dabei darf der Hund allerdings nicht vorzeitig aufstehen und wird notfalls sanft aber bestimmt heruntergedrückt. Dann kann man ihm zärtlich (nicht nur) seinen Bauch kraulen, bis er sich völlig entspannt und vor Wonne die Augen schließt. So schön kann vertrauensvolle "Unterwerfung" sein!
Der Rudelführer bestimmt über das Lieblingsspielzeug des Hundes sowie Anfang und Ende des Spiels.
Besitz ist ein Symbol für Macht. Das Spiel mit einem klaren Wort, z.B. "Schluss" beenden - und sich auch daran halten. Genug ist genug.

Er geht als Erster durch Türen und enge Durchgänge. Den Hund evtl. vor dem Passieren absitzen lassen.
Liegt der Hund im Weg, einfach "durch den Hund hindurchgehen" so dass er weichen muss.

 

 

Quelle: www.hovawart-info.de/rangordnung.htm und  www.hovawart-info.de Eine super informative Seite, die so ziemlich jedes Problem behandelt, die Mensch & Hund miteinander haben könnten.

Dieser Artikel stammt von einem Hovawarth Halter, gilt aber auch für den OEB und natürlich für alle anderen charakterstarken Hunde.

 

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