Geschlechtsreife

   

Milla-Füfe-Boogie

 

Crispy

Nach der Pubertät ist der Junghund geschlechtsreif, der Rüde etwas später als die Hündin. Beim Rüden äussert sich das in rüpelhaftem Benehmen (sogen. 2. Pubertät). Er kommt sich jetzt ungewöhnlich stark vor, meint, nun jedes erhöhte Gänseblümchen begießen zu müssen und fängt an, nach dem Markieren zu Scharren. Er interessiert sich jetzt für das andere Geschlecht. Gibt es eine läufige Hündin in der Nachbarschaft, haben manche Rüden nur noch eins im Sinn. Sie fressen nicht mehr, schlafen kaum noch und singen nur noch Liebeslieder. Wenn sein Liebeskummer nicht mehr erträglich ist, kann man ihm während der "akuten Phase" eine Woche lang Agnus Castus D6, 5 Kügelchen täglich, geben und evtl. vor der Hitze der Hündin schon 3 x 1 Tablette Origanum D30 pro Tag.

 

Die Hündin kommt nun in ihre erste Hitze. Es kommt nicht selten vor, dass die erste Oestrus-Periode relativ schwach ausfällt und man es kaum bemerkt, deshalb nennt man sie auch "stille Hitze". Man achte daher auf intensives Lecken der Hündin im Vaginalbereich und auf häufigeres Urinieren. Dabei markiert die Hündin manchmal fast so wie ein Rüde. Loben Sie Ihre Hündin, wenn sie sich selbst reinigt. Und wenn sie mal ein Tröpfchen verliert, rufen Sie sie, zeigen Sie es ihr und loben Sie sie, wenn sie es wegwischt. Durch die Hormonumstellung kann sie sich sehr wesensverändert geben, d.h. wenn sie vorher auch noch so voller Elan war, so kann es jetzt sein, dass sie sehr ruhig ist und nicht mehr spazieren gehen will oder wenn doch, dann klebt sie an Ihrem Bein, ist besonders anhänglich und schmusebedürftig. Ein böses Wort von Ihnen, und sie ist am Boden zerstört. Bedauern Sie sie bitte nicht, sondern verschaffen Sie ihr viel Bewegung und Ablenkung.

 

Die meisten Hündinnen kommen alle 6-8 Monate in die Hitze. Meist ziehen sie im Frühjahr und Herbst ihr Hochzeitskleid an, es gibt aber bei den Einzeltieren viele Unterschiede. Die Läufigkeit dauert 3-4 Wochen. Während dieser Zeit gehört die Hündin an die Leine, denn ganz genau weiß man nie, wie lange und ab wann die Hündin empfängnisbereit ist. Auch solange die Hündin noch dunkler blutet oder wenn die Blutung schon vorbei zu sein scheint, kann es zur Befruchtung kommen. Im Normalfall kann man ab dem 22. bis 24. Tag Entwarnung geben. Aber es hat auch am 19./20. Tag noch erfolgreiche Deckakte gegeben und es wird sogar von Deckakten am 5. und 29. Tag berichtet. Der Hundebesitzer trägt die Verantwortung dafür, dass "nichts passiert". Das ist zwar alles "Natur", aber es gibt schon genug ungewollte Hunde.

 

Die Vorbrunst (Wachstumsphase, Proöstrus) dauert zwischen 3 und 22 Tagen, der Durchschnitt liegt bei 9 Tagen. Schon im Anfangstadium des Proöstrus ist eine Hündin für Rüden hundum sexy und attraktiv. Während dieser Zeit kommt es zur Produktion von Östrogenen und es reifen die Follikel heran, die die Eizellen umgeben. Die Hündin leckt sich jetzt häufiger und ca. ab dem 3.-5. Tag nach Hitzebeginn nimmt der Ausfluss derart zu, dass die Hündin mit ihrer Selbstsäuberung nicht mehr nachkommt. Bis zum Ende der ersten Hitzewoche ist der Ausfluss dünnflüssig, dunkelrot. Ein verhältnismäßig starker Ausfluss hält bis zum 9.-14. Tag an und in dieser Zeit ist die Hündin für Rüden am attraktivsten. Ab dem 7. oder 8. Tag sollte man nur noch einsame Wege gehen. Führt man in dieser Zeit eine Hündin spazieren, selbst am Abend und angeleint, so "spricht" sich ihr Zustand bei den Rüden rasch herum. Sie führt einen "tollen" Duft mit sich und hinterlässt überall Kontaktanzeigen für jeden Rüden ringsum. Und auch wenn man es mit Hausmitteln wie Yoghurt mit 1 EL Apfelessig und Honig sowie Chlorohpylltabletten (Stozzon, 3 x 1 Tabl./Tag, an den Stehtagen 3 x 4 Tabl./Tag) versucht, bekommt es doch der eine oder andere Frauenheld mit. Nach Schnuppern und Lecken im Genitalbereich der verführerischen Schönen versucht er nicht selten die Hündin zu besteigen, doch sie wehrt in dieser Phase noch heftig ab, im Extremfall bis zum Wegbeißen. Vierbeinige Minnesänger können Sie evtl. vermeiden, indem Sie keine Spuren von der Haustür weg legen, packen Sie Ihre Dame lieber gleich ins Auto und fahren Sie zu abgelegenen Spazierwegen in fremden Revieren. Dort kann sie ihr Bewegungsbedürfnis abreagieren ohne die Rüden der Nachbarschaft mehr als nötig aufzuregen. Am besten geht man auch zu ungewöhnlichen Zeiten, also ganz früh oder ganz spät, dann aber ausgiebig. Sicherheitshalber sollte man die Hündin an einer (langen) Leine führen und immer eine zweite Leine dabei haben, um heißgelaufene herrenlose Verehrer notfalls irgendwo anbinden zu können (möglichst bald natürlich wieder befreien!). Und auch ein Schutzhöschen, das man der Hündin (nachdem sie sich entleert hat) im Notfall drüber ziehen kann, leistet gute Dienste. Dann hat man im Falle des Falles mehr Zeit, noch zu reagieren. So ein Höschen ist bei einer Hündin, die viel markiert, aber auch schnell vollgesogen. Wird die Hündin von einem Rüden bedrängt, bleiben Sie auf keinen Fall stehen; immer in Bewegung bleiben. Setzt die Dame sich hin, stellen Sie sich am besten hinter sie. Erfolgreich wird man Rüden auf Freierspfoten meist los, wenn man sie mit einer Wasserpistole beschießt. Hat man dem Wasser etwas ätherisches Öl wie z.B. Eukalyptusöl zugesetzt, wird die Wirkung noch verstärkt. Oder man verdünnt etwas ätherisches Teebaum- oder Zitrusöl mit Wasser und besprüht die Hündin damit. Auch das soll eine nachhaltige Wirkung haben ...

 

Die "Hochzeit" des Oestrus (Sekretionsphase) beginnt meist zwischen dem 11. und 22. Tag nach der ersten Blutung. Im allgemeinen dauert diese etwa 9 Tage, aber wiederum gibt es einen Spielraum zwischen 3 Tagen und 3 Wochen! Die Beschaffenheit des Läufigkeitssekrets wird dünnflüssiger, wässriger, z.T. schleimig und rosa-trüb. Die Schwellung des Geschlechtsteils lässt sichtbar nach. Etwa vom 2. bis 4. Tag des Östrus (also 12 bis 14 Tage nach der ersten Blutung) ist die Hündin aufnahmebereit, besonders am Ende dieser Zeit. Die Hündin wehrt nun keinen Rüden mehr ab. In dieser Hochbrunstphase "steht" die Hündin mit seitlich gehaltener Rute vor dem Rüden und bietet sich an. Während dieser kritischen Zeit braucht die Hündin ein Höchstmaß an Überwachung, denn nicht selten sucht eine Hündin das Weite, um einen passenden Rüden zu finden. "Läufigkeit" kommt schließlich von Laufen.

 

An die Hitze schließt sich der Metöstrus an. Da Hündinnen, unabhängig ob sie verpaart wurden oder nicht, dem gleichen Hormonwechsel unterliegen, kommt es bei nahezu allen zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Scheinträchtigkeit. Wie viele andere Tierarten stellen sich Hündinnen nach dem Oestrus auf das Austragen von Welpen ein, ganz gleich, ob sie befruchtet worden sind oder nicht. Das ist ein Relikt aus Wolfstagen und hat in der Natur durchaus seinen Sinn. Im Wolfsrudel synchronisieren die Fähen ihre Läufigkeit. Dadurch erhöht sich die Überlebenschance der Welpen der Alpha-Wölfin, falls dieser etwas zustoßen sollte. Auch eine nicht tragende Hündin zeigt dann oft alle Anzeichen einer bevorstehenden Geburt, die natürlich gar nicht erfolgen kann. Diese sogenannte Scheinträchtigkeit (Pseudogravidität) ist keine Krankheit, sondern ein ganz normaler Teil des Zyklus der Hündin, ledigilich die Ausprägung ist von Hündin zu Hündin verschieden. Etwa 2/3 der Hündinnen zeigen Anzeichen der Scheinschwangerschaft. Der Höhepunkt liegt ca. 6 bis 8 Wochen nach den Stehtagen, dauert 2 bis 4 Wochen und steigert sich, wenn es auf den fiktiven Geburtstermin zugeht. Ca. 2 Wochen nach dem imaginären Geburtstermin, vergeht die Scheinschwangerschaft von selbst und die gewohnte Power und Schnelligkeit kehrt zurück. Viele Hündinnen sind während der Scheinträchtigkeit ganz besonders anhänglich und schmusig, ihren Artgenossen gegenüber dagegen eher zickig. Manche Hündinnen sind während der Scheinträchtigkeit völlig außer Kurs, legen sich in eine dunkle Ecke und winseln, springen wieder auf und rennen ziellos herum. Andere entwickeln sich zum Trauerkloß, wirken wesensreduziert, sind apathisch, schlapp, lustlos, fast depressiv. Am stärksten sind die Symptome oft bei Hündinnen, die nicht ausgelastet sind. Gehen Sie mit ihrem Häufchen Elend dann viel raus, spielen Sie mit ihr oder bringen ihr neue Tricks bei - tun Sie alles was sie davon abhält, in ihrer Melancholie zu versinken. Einige Hündinnen entwickeln geradezu extreme Anzeichen der Trächtigkeit, selbst die Laktation setzt ein (Milchproduktion) und das Körpergewicht nimmt zu. Manche Hündinnen bauen sogar ein Nest mit der Schlafdecke oder anderem verfügbarem Material. Sie schleppen dann evtl. auch Gegenstände als Welpenersatz in ihr Lager und es kann auch sein, dass diese "Welpen" aggressiv verteidigt werden. Besonders gern mögen sie hierfür quietschendes Spielzeug. Beschäftigen Sie Ihre Hündin in dieser Zeit möglichst viel, um sie von ihrer eingebildeten Trächtigkeit abzulenken und füttern Sie sie ab Ende der Läufigkeit möglichst knapp und geben Sie ihr v.a. weniger Kohlehydrate, damit der Körper ihr "sagt" dass er die Ressourcen selbst benötigt. Das kann ruhig 30 % weniger Futter sein und die doppelte Bewegung. Damit kann man die Scheiträchtigkeit oft ganz elegant umgehen. Nur falls die Scheinträchtigkeiten allzu heftig sind, kann man notfalls über eine Kastration der Hündin nachdenken. Allerdings lässt sich das meist auch sehr gut homöopathisch behandeln. Überwiegen die psychischen Symptome kann man Ignatia geben, bei Hündinnen die Milch bilden, sollte man es mal mit Pulsatilla versuchen. Will man die Reinigung der Gebärmutter unterstützen, ist Metrovetsan ein gutes Mittel. Auch Bachblüten (Red Chestnut, Chicory, Honeysuckle und Cherry Plum tägl. 4x4 Tropfen) sind bei Hündinnen, die in der Scheinschwangerschaft zur Lethargie neigen, einen Versuch wert. mehr...

 

Nach der Scheinschwangerschaft bauen sich bei der Hündin die oberen Schleimhautschichten der Gebärmutter ab um sich anschließend neu aufzubauen. Dieser Vorgang dauert weitere 2 Monate. Erst danach (also ca. 120 Tage nach der Standhitze) befindet sich die Hündin in einer Zeit relativer Geschlechtsruhe (Anöstrus), bevor der Zyklus mit der erneuten Läufigkeit wieder von vorne beginnt. Die Zeit der Geschlechtsruhe ist die Zeit, in der die Hündin am leistungsfähigsten ist.

 

 

Quelle: www.hovawart-info.de/hovawart.html