Gustav & Gretchen
Ares

Hundehaltung in Deutschland

 

Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv, nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies. Hunde sind die ersten und ergebensten Haustiere der Menschheit. Seit etwa 15.000 Jahren leben Mensch und Hund in enger Gemeinschaft. Der Hund ist aus der Geschichte des Homo sapiens, des angeblich so weisen Menschen, nicht wegzudenken; er ist ein kulturelles Erbe und nicht bloß ein lästiges Hobby Weniger.

 

Solange der Mensch mit Haushunden lebt, hat es auch ein Hundeproblem in der Gesellschaft gegeben. Aber der stark naturverbundene Mensch war noch bis in die jüngste Vergangenheit imstande, auf natürliche Gefahren angemessen zu reagieren. Und so wurde in den vergangenen Epochen die behauptete oder tatsächliche Gefahr durch Hunde eher mit ziemlichem Gleichmut behandelt. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland die Einstellung der Menschen zum Hund jedoch radikal verändert. Wie konnte es dazu kommen? Sind die Hunde heute anders, die Hundehalter unfähiger?? Wohl kaum. Geändert hat sich nur die Einstellung unserer modernen Gesellschaft zum Hund. Noch vor wenigen Jahren antworteten viele Hundebesitzer auf die Frage "Beißt der?" stolz "Na klar!"; wurde doch erwartet, dass der Hund seine Familie bei einem Angriff schützt. Heute müssen unsere Hunde dagegen zu allen Menschen freundlich sein, also das, was Konrad Lorenz abschätzig als "Kalfakter", Allerweltsliebling, bezeichnet: das "ist einer der schlimmsten Fehler, die ein Hund haben kann", so schrieb Lorenz 1963. Heute jedoch muss ein Hund "weichgespült" sein, ohne Ecken und Kanten, verträglich mit allem und jedem in jeder Situation.

 

Seit einigen Jahren müssen Hunde Kreide fressen, sollen sie noch als "gesellschaftsverträglich" toleriert werden. Der vorwiegend technisch geprägte Mensch erregt sich über Tausende Autounfalltote kaum noch und ist auch wenig bereit, Geschwindigkeitsbeschränkungen hinzunehmen. Dazu ein Vergleich: Die Verhältniszahl ernster Angriffe durch Hunde liegt im Promillebereich je Hund. Die Verhältniszahl pro Auto liegt dagegen 100-mal höher - und die Autos werden immer stärker und schneller. An Verkehrstote haben wir uns gewöhnt. Und wer will schon beim Auto zurückstecken. Also arrangieren wir uns mit diesem echten Risiko und verdrängen es. Und was ist mit dem angetrunkenen Autofahrer der auf dem Bürgersteig eine Oma überfährt? - Verbieten wir nun Alkohol oder Autos? Nein, wir haben Fahrschulen, Führerschein und ein Punktesystem zur Kontrolle eingeführt.

 

Um die Verhältnisse etwas zurecht zu rücken, noch etwas mehr Statistik: Die Wahrscheinlichkeit, tödlich verletzt zu werden ist durch Blitzschlag 7mal, durch Insektenstiche 10mal, durch menschliche Gewalttaten 1.000mal und bei Unfällen im Haus 10.000 mal höher als durch einen Hund. Dabei geschehen drei Viertel der Unglücke mit Hunden in Haus, Hof oder Garten des Hundebesitzers. Zwei Drittel der Opfer sind Kinder im Alter bis zu 11 Jahren, die mit dem Hund vertraut sind. Deshalb: Niemals Hunde und Kinder unbeaufsichtigt lassen, auch wenn sie sich gut kennen. Die Kinder fallen, der Hund interessiert sich dafür, die Kinder wehren ihn ab .... Das alles ist schlimm genug, aber den Alptraum, den viele Hundephobiker im Kopf haben, dass irgendwo draußen, fern von der Heimat ein Hund auf sie zu kommt und sofort beißt, kommt in der Statistik kein einziges Mal vor. Vorsicht ist dagegen im engsten Revier des Hundes angesagt. Hunde verteidigen das Hab und Gut ihres Rudels auch gegen allzu selbstbewusste Bekannte des Hauses. Das sollte man einfach akzeptieren, denn der Schutz des Grundstücks ist einer der Gründe, weshalb sich die Menschen schon seit Jahrtausenden Hunde halten. Und Einbrecher wissen das und meiden Gründstücke, auf denen ein Hund Wache schiebt.

 

Die wenigen Vorkommnisse mit Hunden wurden von den Medien vor einigen Jahren sofort aufgegriffen und unverhältnismäßig hochgespielt. Der Hass richtete sich gegen die Hunde als die brutalen Täter. "Weg mit diesen rasenden Bestien", war eine schnell verbreitete Stimmung, die die Medien immer weiter anheizten, nicht zuletzt, indem sie täglich von neuen Unfällen mit Hunden berichteten. Ein Teil der Bevölkerung hat erst dadurch so richtig Angst vor Hunden bekommen, ein anderer Teil verspürt einfach nur noch Hass. Allein ihre Existenz ist manchen ein Dorn im Auge. Deutschland gehört zu den hundefeindlichsten Ländern. Dabei gibt es in keinem anderen Land in Europa so wenig Hunde pro Kopf wie in Deutschland. Nur im fernen Japan gibt es noch weniger Hunde pro Haushalt als in Deutschland.

 

Die Tendenz, Hundehaltung zu erschweren oder gar unmöglich zu machen, ist nicht zu verkennen und im Zunehmen begriffen. Auslöser waren die scharf gemachten Hunde einiger Krimineller. Der allgemeine Hundehass trifft heute aber gerade die ganz normalen Hundehalter mit ihren Familienhunden. Die Atmosphäre ist vergiftet. Und statt die Schulung der Hundehalter und einen Hundeführerschein zu fordern, verteufeln die Behörden einzelne, vor allem ausländische Rassen. Was soll diese moderne Form der Rassendiskriminierung bringen? Die entsprechende Klientel wechselt einfach die Rasse. Man kann fast jeden Hund zu einem gefährlichen Beißer oder aber auch zu einem gut angepassten Familienhund erziehen. Es gibt keine gefährlichen Hunde, sondern nur mehr oder weniger gefährliche Situationen (siehe obige Statistik). Statt generell die Hunde oder bestimmte Rassen zu verteufeln, sollte man besser die isolierte Haltung von Hunden in Zwingern, Ställen o.ä. verbieten und die wenigen fahrlässigen oder kriminell handelnden Hundehalter zur Verantwortung ziehen. Aber es ist eben einfacher, jedem Hund eine Leine umzuhängen als eine unbequeme Schulung zu verlangen und auch noch zu kontrollieren.

Selbst auf dem Land entfremden sich die Menschen immer mehr vom natürlichen Umgang mit Haustieren. Immer ihre politische Wählerschaft im Hinterkopf, erlassen viele Gemeinden Hundeverbote und Leinenzwang, wo eigentlich Aufklärungskampagnen im richtigen Umgang mit Hunden genügen würden. Es gab bereits ländliche Gemeinden mit generellem Leinenzwang für alle Hunde im gesamten Gemeindegebiet, also auch in Wald und Flur! In einer solchen Gemeinde ist es unmöglich geworden, einen Hund artgerecht zu halten, ohne gegen bestehende Gesetze oder Verordnungen zu verstoßen. Der Amtsschimmel wiehert und der Hundehalter steht mit dem Rücken zur Wand. Gerichte haben diesen unverhältnismäßigen Vorschriften inzwischen allerdings einen Riegel vorgeschoben.

 

Höchst bedenklich ist auch das rechtliche Novum der Beweislastumkehr: Es muss nicht die Schuld des Hundehalters bewiesen werden, sondern der Hundehalter muss seine Unschuld beweisen! Außerdem wurde für Hundebesitzer der Artikel 13 Grundgesetz eingeschränkt: für sie gilt die Unverletzbarkeit der Wohnung nun nicht mehr. Hundehalter müssen Behördenvertretern auch ohne Durchsuchungsbeschluss jederzeit Einlass gewähren. Verliert man in Deutschland einen Teil seiner Bügerrechte, nur weil man einen Hund gekauft hat??

Bei dieser restriktiven Gesetzeslage feiert das Denunziantentum fröhliche Urständ. Ich kenne einen Fall in der sehr ländlichen Nachbargemeinde, wo ein ausgebildeter Rettungshund vier mal angezeigt wurde, weil er ohne Leine ausgeführt wurde. Als der Hund plötzlich starb, kauften die Besitzer einen Labradormix, der auch schon im Alter von 4 Monaten zum ersten Mal angezeigt wurde. Wie soll man einen Junghund heute noch sozialisieren, wenn er keine Erfahrungen mehr machen darf?

Obwohl von einer zunehmenden Gefährdung der Bevölkerung durch Hunde überhaupt keine Rede sein kann, nehmen Toleranz und Verständnis für den Hund und seine natürlichen Verhaltensweisen rasant ab. Aber Hunde sind keine seelenlosen Roboter, die auf Knopfdruck reagieren (Descartes haben wir doch schon lange hinter uns gelassen - oder??). Kleinere Vorfälle kann auch ein verantwortungsbewusster Hundehalter nicht völlig ausschließen. Es ist schon erschreckend, wie viele Menschen sich bei einer Begegnung mit Hunden völlig falsch verhalten (z.B. bei fremden Hunden über den Kopf fassen, um zu "streicheln") und wie oft die Signale, die vom Hund ausgehen, völlig falsch interpretiert werden (der Spaziergänger stuft z.B. die freudige Annäherung von "Bello" als einen Angriff auf seine Person ein).

 

Falls man sich wirklich mal von einem Hund bedroht fühlen sollte, ist es vor allem wichtig, Ruhe zu bewahren: keine schnellen Bewegungen machen, vor allem nicht gegen den Hund, auch nicht schreien. Und auch wenn man Angst hat - nur keine Panik: niemals vor einem Hund weglaufen. Er glaubt sonst, man spielt "Beute" - und wer flieht, wird gehetzt. Statt dessen sollte man versuchen, den Hund zu beschwichtigen: Blickkontakt vermeiden, blinzeln und seitlich nach unten schauen. Dann langsam rückwärts gehen oder abwarten, bis der Hund sich von selbst etwas entfernt. Wenn der Hund Ihnen folgt, blicken Sie ihn ganz kurz an, blinzeln auffällig, sehen zur Seite und nach unten und gehen noch ein Stück rückwärts. Wenn Sie es schaffen, sprechen Sie den Hund leise in hoher Tonlage an und sagen Sie etwas Beruhigendes. Springt der Hund Sie jedoch an, versuchen Sie, sich wie ein Hundehalter zu verhalten: rufen Sie kurz, knapp und laut "Platz" oder "Sitz" und machen mit der Hand eine entsprechende, gebieterische Geste nach unten.


Und noch ein Appell an die Hundehalter: Reagieren Sie auf verbale Angriffe von Menschen, die keine Hunde mögen oder wirklich Angst vor Hunden haben mit Gelassenheit, Ruhe und Freundlichkeit! Aggression erzeugt immer Gegenaggression! Und: auch der bravste Hund gehört an die Leine, wenn ängstliche Menschen in der Nähe sind.

Um Unfälle mit Hunden zu verhindern, sollten schon Kindergarten-Kinder lernen, wie sich Hunde verhalten. Und auch in der Schule sollte sich der Unterricht nicht nur theoretisch mit Hunden beschäftigen. Kinder, die in ihrem privaten Umfeld keinen Kontakt zu Hunden haben oder deren Eltern selbst ängstlich reagieren, könnten hier lernen wie man mit Hunden richtig umgeht. Denn die Erwachsenen geben ihre Ängste an die Kinder weiter, ob vor Spinnen, Würmern, Mäusen oder eben auch vor Hunden - ein beängstigender Kreislauf. Durch den positiven Kontakt mit einem braven Hund könnten Kinder Vertrauen aufbauen. Das gäbe Hoffnung auf eine Normalisierung und würde auch den Kindern helfen, denn die unbegründete Angst vor Hunden schränkt deren Lebensqualität erheblich ein.

Aber noch sind wir weit davon entfernt. Dem modernen Menschen in seiner künstlichen Umwelt fehlt offensichtlich ein Ungeheuer, gegen das er mit Schwertern und Lanzen wie im Mittelalter zu Felde ziehen könnte. Ganz tief im Menschen sitzt scheinbar eine Urangst vor der als bedrohlich empfundenen Natur und dem unberechenbaren wilden Tier. Die alten Mythen von Drachen, Seeungeheuern und dem "bösen" Wolf sprechen diese tief verwurzelten irrationalen Ängste an. Filme wie "Der weiße Hai" sind die Schauergeschichten der Moderne. Auch der Hund hat Zähne. Er könnte ja beißen. Allein die Möglichkeit reicht schon, ihn zu dämonisieren. Mit der "Bestie" Hund hat der Mensch nun in seiner allernächsten Umgebung einen brauchbaren Ersatz für die alten Ungeheuer gefunden. Und so füllten vor einigen Jahren während des Sommerlochs Horrorgeschichten die Spalten der Boulevardpresse und riefen die entsprechenden schaurigen Emotionen hervor... Hundefeindlichkeit ist "in". Hunde müssen weg.

 

Die internen, echten Probleme des Menschen von heute sind so sehr Alltag geworden, dass sie zwar Ängste, aber nicht die so angenehm-gruseligen urzeitlichen Schauer hervorrufen können wie wilde Tiere. Das Tiermonster ist uns abhanden gekommen, der Hund ist nun sein blasser Ersatz. Jedoch - nur der Mensch kann wirklich zur "Bestie" werden. Er allein ist zu den größten, abartigsten, wahrhaft bestialischen Grausamkeiten fähig, noch dazu im vollen Bewusstsein seines Handelns: von der Umweltzerstörung, Tierquälerei, Sadismus, Folter, Terrorismus, Massenvernichtung, Minen bis zu Krieg und ABC-Waffen. Tiere erscheinen uns manchmal grausam, aber sie töten nur, um zu überleben und sind zur tieferen Einsicht in ihr Handeln nicht fähig. Der Homo sapiens sapiens jedoch, der angeblich so weise, weise Mensch, sollte eigentlich wissen was er tut. - Oder handelt er vielleicht doch nur im Unverstand? Lediglich aus egoistischen, kurzfristigen Erwägungen heraus?? Er ist das einzige Wesen, vor dem mir wirklich graut. Die Begriffe "menschlich", die oft beschworene "Menschlichkeit" - sie haben ihre ursprüngliche Bedeutung längst eingebüßt, sie verkehren sich in ihr Gegenteil. Wir Menschen sind uns Menschen viel gefährlicher als irgendein Tier. Wir sollten manche Menschen fürchten - nicht die Hunde.

 

Nun übertreibe ich? - Mag sein... - Verzeihen Sie mir bitte diese kleine Abschweifung in den menschlichen Irrsinn. Aber ich kann es nicht ertragen, wenn Menschen in ihrem anthropozentrischen Hochmut Tiere als "Bestien" abstempeln. Wir haben kein Recht dazu.

Zitate einiger führender Wissenschaftler zur Hundeverordnung in NRW:

Aussage des Buchautors Achim Schoke: "Zum zweiten Mal haben die Mitarbeiter des Ministeriums unumwunden zugegeben, dass sie aus diesem Buch das Inhaltsverzeichnis kopiert haben. Die Statistik stammt aus NRW, geht über 5 Jahre, und aus der Statistik ergibt sich, dass mit allen Hunden dieser 23 Rassen zusammen nur ein einziger, leichter Beißunfall passiert ist. Die Nennung dieser Hunde in Anlage 2 und die Brandmarkung als gefährlich entbehrt jeder Grundlage".

 

Zitat des weltweit geachteten Genetikers Dr. Hellmuth Wachtel: "Die Rassen auszurotten ist sogesehen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Hätte man schon vor 100 Jahren so kopflos und hysterisch reagiert, gäbe es keinen Boxer mehr. Denn der stammt vom Bullenbeißer ab, dem seinerzeitigen Pitbull des Kontinents. Heute ist der Boxer allgemein als idealer Familienhund anerkannt."

 

Zitat von Frau Dr. Feddersen-Petersen: "Es gibt keine gefährlichen Hunderassen (weder nach Beißvorfällen, noch wissenschaftlichen Erkenntnissen - ethologisch, tierzüchterisch, molekulargenetisch - folgen diese Benennungen seriösen, nachvollziehbaren Kriterien), es gibt gefährliche Hundeindividuen. ... Aggressivität von Hunden wird oft mit "Gefährlichkeit" synonym gesetzt, was falsch ist. Ein Hund, der knurrt, ist nicht gefährlich. Er kommuniziert. Wissen sollte hysterisches Verhalten ersetzen". Frau Dr. Feddersen-Petersen sagt zu pauschalen Rasseverboten: "Das wird die Sicherheit der Bevölkerung sicher nicht steigern, denn das Gespann Hund/Halter ist entscheidend."

Zitat des allseits geachteten Zoologen Dr. Erik Zimen: "Ich fordere eine Wesensüberprüfung für Zuchttiere und eine Führerscheinpflicht. Verbote sind kurzsichtiger Aktionismus."

 

OEB's sind keine Listenhunde. Trotzdem ist die Hundeverordnung für uns, als (noch) nicht betroffene einfach nicht tragbar und ein Verbrechen am Hund.

"Ist da ein Kampfhund mit drin?"
"Ich hab ihn noch nicht aufgemacht und reingeguckt."

 

 

Quelle: www.hovawart-info.de/hovawart.html