Agression & Dominanz?

      

Champion

 

Comtessa

 

Honeymoon aka Hanny

Das merkwürdige Verhalten hungriger Fellnasen zur Fressenszeit und beim Spielen...

 

Auch wenn ein Hund gegenüber seinem Herrn einen besonders guten Knochen oder sein Spielzeug verteidigt, so zeugt das nicht gleich von fehlendem Respekt, Agression oder Dominanz!

Vielleicht hat er einfach nur nicht genug Vertrauen und fürchtet, dass man ihm das gute Stück wegnehmen könnte. Wenn im Wolfsrudel ein Tier eine Ressource für sich erschlossen hat und nutzt, lassen die anderen ihm seinen Besitz. Hat ein Wolf bereits etwas im Fang, gibt er das in der Regel nicht mehr her. Der Bereich direkt um die Schnauze ist tabu gegen Diebstahl.

A. Hallgren beschreibt dazu eine kleine Geschichte:

"Ein junger, niederrangiger Wolf in einem Tierpark bewachte und verteidigte einen Fleischknochen vor allen anderen Wölfen im Gehege. Keiner, nicht einmal der Anführer, das älteste Männchen, versuchte, den Knochen zu nehmen. Alle zeigten Beschwichtigungssignale (!) wenn sie dem knurrenden Jungwolf zu nahe kamen."

 

Wir Menschen aber respektieren dieses "Hundegesetz" nicht, und begehen Mundraub. Dann kann der Hund schon mal aggessiv werden, um seinen Schatz zu verteidigen. Das ist ganz normales Hunde/Wolfsverhalten. In der Natur bestehen Alphatiere nicht zu jeder Zeit auf Kontrolle aller Ressourcen. Es gibt bei ihnen keinen Dominanzanspruch "aus Prinzip". Rangniedrige Tiere verteidigen ihre Beute auch gegen hochrangige Konkurrenten, die es dem Eigentümer dann oft überlassen. Niederrangige Tiere haben das Recht zum Protest. Ist ein ranghoher Wolf satt, warum soll er dann wegen eines "blöden" Knochens mit einem rangniedrigen Tier streiten?? Nur bei Futterknappheit würde er auf seinem Vorrecht bestehen. - Aber eine Menschenfamilie ist kein Wolfsrudel. Aus Sicherheitsgründen ist es im menschlichen Familienrudel (vor allem, wenn kleine Kinder dazu gehören) natürlich trotzdem sinnvoll, dem Hund beizubringen, dass er z.B. Kindern nichts stehlen darf und selbst alles abgeben muss. Das gehört zu einer guten Erziehung. - Doch für den Hund ist diese Forderung völlig unverständlich.

 

Heute denken noch viele Menschen, das ein Hund der seine Beute verteidigt und nicht abgeben will, agressiv und dominant wäre. Das Wesen des Hundes wird leider nach wie vor nicht richtig erkannt und falsch interpretiert. Wenn ein Hund seinem Besitzer seinen Knochen und sein Spielzeug problemlos überlässt ist dies ein deutliches Zeichen seines Vertrauens und seiner Gutmütigkeit. Verteidigt ein Hund seine Beute gegenüber seinen Rudelmitgliedern, so ist das ein normales Hundeverhalten, dass niemals mit Agression oder Dominanz zu tun hat. Als Hundehalter vermeidet man Unruhen im Rudel, indem man Spielzeug und Knochen entweder getrennt oder jedem Rudelmitglied ebenfalls ein Stück "BEUTE" gibt, damit kein Streit im Rudel zustande kommt.

 

Einzelne Dominanzgesten haben keinen Vorhersagewert!

Es gibt zweierlei Arten von Dominanz. Die über lange Zeit stabile "formale Dominanz" zeigt sich in der Körperhaltung und dem allgemeinen Umgang miteinander, wobei die oben beschriebenen Eigenschaften des Rudelführers eine große Rolle spielen.

Daneben gibt es aber auch noch eine momentane, aktuell ausgeübte Dominanz, die sich z.B. im Anspringen oder anderen einzelnen Dominanzgesten zeigt. In 90 % aller Situationen stimmen beide Dominanzarten überein, in den restlichen 10 % verzichtet der Ranghöhere lediglich vorübergehend auf "sein Recht". Über die Rangbeziehung zwischen zwei Individuen entscheidet also niemals eine einzelne Situation, sondern immer die Summe aller möglichen Sitautionen in einem bestimmten Zeitrahmen.

Doch wie soll man reagieren, wenn der bereits erwachsene Hund Futter- und Spielzeugaggression zeigt?Fast jeder Hund hat einen starken Verteidigungstrieb. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass er seinen Futternapf und sein Spielzeug verteidigt. Reden Sie keinesfalls beschwichtigend auf den Hund ein, denn das würde sein Verhalten noch verstärken. Unbedingt vermeiden sollte man in dieser Situation eine körperliche Drohhaltung, bei der man den Körper zum Hund beugt oder ihn fixiert, denn das könnte der Hund als Provokation auffassen, was seine Aggression verstärkt. Man sollte sich auch auf keinen Fall zu irgendwelchen Rangeleien und Machtproben hinreißen lassen, vielleicht um ein Exempel zu statuieren. Wer sich auf einen Kampf einlässt, verhält sich so, als wäre er im Rang gleich. Bei einem Kampf entscheidet sich lediglich, wer körperlich der Stärkere ist, aber nicht, wer der Überlegene ist. Außerdem zieht der Mensch bei einem Kampf meist den Kürzeren, denn höchstwahrscheinlich vermittelt er dabei eine zweideutige Botschaft: physische Kraft mit Angst im Bauch. Das führt genau zum gegenteiligen Effekt: der Hund fühlt sich stärker, greift an, gewinnt und verlässt die Prüfung mit einer verstärkten Überlegenheit - und der Mensch hat seine Autorität verloren. Bei diesem Ablauf führt der Hund die Regie und der "Futterknecht" spielt seine Rolle, den Wünschen des Hundes folgend, perfekt. Drehen Sie doch den Spieß um! Spielen Sie Ihr eigenes Spiel, indem Sie einfach nicht in den Konflikt einsteigen! Denken Sie an den Satz: "Der Klügere gibt nach." Am besten zeigen Sie sich erst einmal unbeeindruckt, quittieren das Bleib-bloß-weg-Spielchen Ihres Großmauls mit Verachtung und lassen sich nicht provozieren. Der Rudelführer steht so himmelhoch über dem Hund, dass er es gar nicht nötig hat, sich mit einem Untergebenen "wegen dem bisschen Futter" anzulegen. - Und schon haben Sie gewonnen!

Aus Sicht des Hundes handelt es sich hier keinesfalls um einen feigen Rückzug - diese Annahme wäre sicherlich eher menschlicher Natur. Für den Hund sieht es vielmehr so aus, als distanziere sich die Bezugsperson plötzlich und das löst beim Rudeltier tiefste Verunsicherung aus. Schliesslich beabsichtigt der vorlaute Hund nicht, in die Verbannung geschickt zu werden. Er wollte nur einmal zeigen dass er auftrumpfen kann.

 

Möglichst bald danach verlangt man dann vom Hund eine Gehorsamsübung, um seinen Respekt zu fordern. In der nächsten Zeit sollte man dem Hund vorbeugend keine Knochen, Ochsenziemer o.ä. mehr geben. Und dann steht natürlich je nach Problemlage ein "Aus"-Training oder etwas Ähnliches auf dem Programm. Statt einer großen Mahlzeit sollte man sein Futter auf mehrere kleine Portionen aufteilen. Der Fressplatz sollte verlegt und ein anderer Napf verwendet werden. Man sollte nirgendwo Fressbares liegen lassen, Reste sofort wegräumen und die Futtervorräte und Leckereien woanders lagern. Auch die oben gegebenen Rangordnungs-Tipps zum Thema Futter und Küche sollten strengstens beachtet werden. So kann man das Futter z. B. herrichten und es für den Hund gut riechbar aber doch unerreichbar auf einen Schrank stellen. Dann isst man selbst in Ruhe seine Mahlzeit und gibt dem Hund erst danach sein Fressen - natürlich erst nach Ausführen eines Befehls wie "Sitz", kurzer Verzögerung und ausdrücklicher Freigabe mit "Nimms". Dabei kann man dem Hund auch erst einmal einen leeren Futternapf hinstellen und den Hund zum Fressen auffordern. Wenn er seinen "Kellner" dann erstaunt ansieht, gibt man etwas Futter in seinen Napf. Das kann man mehrmals mit kleinen Portionen wiederholen. Nun möchte der Hund sogar, dass man sich seinem Napf nähert! Klappt das sehr gut, dann kann man den Hund auch mal mit einem besonders guten Leckerli kurz vom Fressen ablenken - aber nichts wegnehmen! Er schaut auf, bekommt das gute Leckerli und darf gleich weiter fressen.

Wenig sinnvoll ist es allerdings, einen Hund mit Futterkonkurrenz aus der Hand zu füttern, denn dann hat er weder Überblick über die Menge des Futters, das ihm zur Verfügung steht, noch kann er die Futtergabe in einer für ihn durchschaubaren Art und Weise beeinflussen. Das bedeutet, dass der Hund immer stärker unter Stress gerät und in aller Regel sein Futter auf Dauer noch heftiger verteidigen wird. Eine Belohnung aus der Hand für getane Arbeit ist dagegen etwas anderes, denn dann kann der Hund die Leckerchengabe durch Gehorsam selbst beeinflussen. Dabei sollten Hund und Hundeführer aber eine gute Beziehung zueinander haben, damit diese Form der Fütterung nicht zu einer Konkurrenzsituation wird, sondern den Kontakt unterstützt. Sie können dem Hund auch einen Rinderziemer anbieten. Setzen Sie sich dann ruhig hin und halten Sie den Ziemer an einem Ende fest und lassen den Hund am anderen Ende kauen. Das kann ruhig 10-15 Min. dauern. Und zum Schluss überlassen Sie dem Hund das letzte Stück.

Wenn der Hund sein Futter bereits "auf Teufel komm raus" verteidigt, sollte man schnellstens Rat bei einem fachkundigen Verhaltenstherapeuten suchen. Seien Sie nicht zu stolz, auch mal einen Hundetrainer zu konsultieren, der Sie und ihren Hund im Alltag beobachten
. Das kann Wunder wirken, weil manche Verhaltensweisen sich einfach wie selbstverständlich einschleichen, die Sie selbst schon gar nicht mehr registrieren. Wir sind oft blind für das, was uns unmittelbar umgibt.... Ein Fachmann aber, der nicht zur Familie gehört, ist neutral, wird die problematischen Verhaltensweisen erkennen und versuchen, Abhilfe zu schaffen.

Können wir überhaupt wissen, was in unseren Hunden vorgeht?? Sicher nicht. Dafür sind sie uns bei aller körperlichen Nähe doch zu fern. Gerade das Rangordnungs- oder Rudelverhalten ist sehr komplex und die Hunde sind sehr flexibel. Was wirklich in einem Hund vorgeht, davon haben wir keine Ahnung. Trotzdem sollten wir wenigstens versuchen, die Denkweise unseres Hundes zu verstehen. Genau wie wir "intelligenten" Menschen in unserer eigenen Denkweise gefangen sind und immer wieder dazu neigen, den Hund zu vermenschlichen, so verhundlicht der Hund uns Menschen - auch er kann nun mal nicht aus seiner Haut. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Hund nach eigenen Regeln lebt. Er folgt seinen angeborenen Instinkten und interpretiert unser Verhalten aus seiner Sicht. Als Hundebesitzer sollte und darf man nicht erwarten, dass er menschliche Umgangsformen lernt. Behandeln Sie ihn fair und versuchen Sie, sich in seine Welt zu begeben und "hündisch" zu denken.

Einzelne Dominanzgesten bedeuten noch keine Palastrevolution. Schwierig wird es erst, wenn der Hund häufiger als Forderer auftritt und auch versucht, sich durchzusetzen.

Wie heißt es doch so schön: Wehret den Anfängen! Versuchen Sie, einen Blick dafür zu bekommen, ob und wie Ihr Hund Sie dominiert, damit Sie dem entgegenwirken können. Wer Macho- Gehabe bereits beim Junghund erkennt und in die richtigen Bahnen leitet, hat später einen angenehmen Hausgenossen, der voll Selbstbewusstsein mit seiner geliebten Familie durch dick und dünn geht.

Aggression ist ein negativ belegter Begriff geworden, was falsch ist und Verwirrung stiftet. Aggression wird selten als das gesehen, was es ist: ein normaler, lebensnotwendiger Teil des Sozialverhaltens. Aggression ist ein Regulativ für das Zusammenleben und Zusammenarbeiten, die Kooperation und das Streiten sowie den Wettkampf um begrenzte Ressourcen (Futter, Platz, Bindungspartner). Zum Aggressionsverhalten gehören alle Formen des Angriffs-, Verteidigungs- und Drohverhaltens. Häufig werden allerdings auch Verhaltensweisen dem Aggressionsverhalten zugeschrieben, die gar nichts damit zu tun haben, wie z.B. das Beutefang - und Beuteverteidigungsverhalten. Ein Hund der Jogger, Radfahrer oder spielende, rennende Kinder jagt ist nicht aggressiv sondern ganz einfach schlecht erzogen!

Hunde die beißen, müssen nicht verhaltensgestört sein. Doch auch Probleme, die durch völlig normales Hundeverhalten entstehen, darf man nicht verharmlosen. Die meisten Probleme werden durch Fehler oder Wissensmängel des Hundehalters oder auch des Opfers ausgelöst. Damit Hunde sich in unsere Lebensumstände einpassen, muss ihr Verhalten entsprechend verändert werden um Belästigungen und Gefährdungen durch Hunde auf ein Minimum zu reduzieren. Hunde sind außerordentlich anpassungsfähig. Eine klare konsequente Zuweisung des sozialen Status im familiären Sozialgefüge, körperliche Auslastung der Hunde (div. Ausbildungen, Turnierhundsport, erlebnisreiche Spaziergänge, Beschäftigung, Spiel) sowie die Möglichkeit, ein soziales Leben mit vielen Kontakten zu Menschen und Hunden zu führen, sind die beste Gewähr, Unfälle mit Hunden zu vermeiden. Und eine verständnisvolle Erziehung ist natürlich die Grundvoraussetzung für alles.

Aggressivität ist immer eine Antwort. Aggression steht sehr oft mit Angst oder Stress in Verbindung. Angst ist eine angeborene innere und äußere Stressreaktion des Körpers auf Bedrohung. Diese Definition ist mit der Definition für Aggression vergleichbar: Auch Aggression ist eine angeborene innere und äußere Stressreaktion des Körpers auf Bedrohung, die die Distanzvergrößerung zum Ziel hat. Das heißt, Angst und Aggression sind letztendlich zwei Seiten ein und derselben Medaille, zwei mögliche Reaktionen (Flucht oder Angriff) auf ein und dieselbe Situation. Unsichere Hunde beißen in aller Regel schneller zu - sozusagen vorsichtshalber - und zeigen weit mehr Drohsignale, wenn sie bedrängt werden. Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

 

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